Zu PAPIER gebracht : Online? Offline!

Der Einkauf im Internet gilt als praktisch und preiswert. Doch so schlau sind die Manager mit ihren Firmenzentren auf der grünen Wiese gar nicht.

Falk Steiner
Foto: AFP
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Kürzlich waren es Süßigkeiten, die unwiderstehlich im Supermarktregal herumlagen. Schwupps, waren sie im Warenkorb – und ein Blick auf den Kassenzettel zeigte, dass 200 Gramm Dominosteine mit vier Euro zu Buche geschlagen hatten. Eine kurze Onlinerecherche zeigte: Das geht für deutlich weniger als den halben Preis, auch wenn man die Versandkosten einrechnet.

Immer wieder passiert es mir, dass ich nach einem Einkauf denke: Das war jetzt etwas teuer. Ich bin eigentlich der Wunschkunde deutscher Supermarktbetreiber. Ich esse gerne, was ich sehe, ich bin auch bereit, für manches mehr zu zahlen. Aber wenn bei ein und demselben Produkt die Preisdifferenz eklatant ist, dann werde ich nachdenklich – und ertappe mich immer häufiger dabei, am Ende doch fernab des Wohnortes in den Weiten des Internets einzukaufen.

Ob im Zug oder im Schlafanzug, von überall und bei jeder Gelegenheit, gut vergleichbare Preise, das macht den Einkauf im Netz angenehm. Bleibt noch das Problem mit dem Paketboten. „Zustellung in der Nachbarschaft“, verkündet eine E-Mail. Wem das Berliner Straßennummerierungswesen vertraut ist, der weiß, dass gerade und ungerade Hausnummern nicht zwangsläufig nah beieinander liegen müssen. Nur dem Paketboten scheint das fremd. Dieses Mal ist das Paket sogar bei der eigenen Hausnummer angekommen, bei Nachbarn, die nicht wissen, wie lecker sein Inhalt ist. Nun habe ich gefühlte zehn Kilogramm Dominosteine zu Hause, Weihnachten kann kommen.

Und das ist traditionell die beste Zeit für Onlinehändler. Buch-, Schuh- oder Süßigkeitenhändler: Geguckt wird offline, bestellt wird meistens online. Noch ist davon in den Straßen fast nichts zu sehen. Das erstaunt. Viele Marken, deren Produkte gar nichts mit dem Internet zu tun haben, verfolgen schon lange das Konzept der sogenannten „Flagship“-Stores. Flaggschiffläden, das heißt: Sie sind in erster Linie für Präsentations- und Repräsentationszwecke da. Gekauft wird in den meisten Fällen später woanders. Wäre es nicht konsequent, dass Onlinebuchhändler einen großen Laden anmieten, in dem sie ihr Sortiment anpreisen? Wo man sofort ein Buch bestellen und im Ausnahmefall sogar mitnehmen kann?

Ich bin enttäuscht: Diesen Vermarktungstrick, von Uhren und Modemarken, Porzellanläden und Kaffeemaschinenherstellern längst entdeckt, haben die Internetunternehmen nicht erkannt. Einzig die Mobiltelefon- und Computermodemarke Apple verfährt nach dem Modell. Vielleicht müssten sich auch die Manager der Internetunternehmen öfter mal von ihrem Firmenzentrum auf der grünen Wiese wegbewegen.

In meinem Fall ist das jedoch für die angestammten Läden meiner Nachbarschaft ein Glücksfall. Bücher kaufe ich inzwischen wieder vor Ort.

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