Zukunft des Musik-Streaming : "Wir brauchen ein interaktives Radio"

Einfach nur anschalten und sich berieseln lassen? Wenn Musik-Streaming langfristig konkurrenzfähig sein will, muss es mehr sein als das, sagt Musikwirtschaftsexperte Tschmuck - und erklärt wie das Streaming der Zukunft aussehen könnte.

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Streaming muss noch interaktiver werden, sagt Tschmuck. Foto: dpa
Streaming muss noch interaktiver werden, sagt Tschmuck.Foto: dpa

Herr Professor Tschmuck, wie sieht der Streaming-Markt in Deutschland derzeit aus?

 Deutschland ist ein Nachzügler was Streaming anbelangt. USA, Großbritannien und die skandinavischen Länder sind weit voraus. In Deutschland ist die CD immer noch sehr beliebt. Und selbst im Digitalsegment dominiert der Download, nicht das Streaming.

Was müssen Musik-Streaming-Services tun, um langfristig erfolgreich zu sein?

Sie müssen Musik stärker kuratieren und ihre Angebote interaktiver gestalten. Wenn das Geschäftsmodell Musikstreaming konkurrenzfähig werden möchte, dann muss es mehr sein als ein reines Abspielmedium. Die Leute sollen nicht nur anschalten und sich berieseln lassen. Sie brauchen ein auf sich abgestimmtes Programm, das sie selbst beeinflussen können.
Wie kann das konkret funktionieren?

Nachrichten und Wortbeiträge könnten eingebettet werden, etwa durch Kooperationen zwischen Nachrichtenportalen wie BBC mit Diensten wie Spotify. Zusätzlich dazu müssten die User stärker erklärt bekommen, welche Musik sie hören. Sie könnten sich Playlisten von Musikexperten zusammenstellen lassen und mit anderen Hörern interagieren. Das alles wären kostenpflichte Features. Es gibt sie schon in Ansätzen. Aber was wir brauchen, ist ein interaktives Radio mit Programmbestandteilen.

Gibt es dafür denn einen Markt? Ist es nicht das, was die Hörer wollen: sich berieseln lassen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In den USA sind Dienste wie Pandora sehr erfolgreich. Das ist kein klassisches On-Demand-Streamingservice, sondern mehr ein Musikempfehlungssystem. Spotify tut sich dort schwerer, weil der Hörer zumindest selbst entscheiden muss, welchen Künstler er jetzt hören möchte und eine gewisse Interaktivität verlangt wird. In Deutschland ist die Bereitschaft, sich beim Hören stärker einzubringen, aber da.

Auch in der älteren Zielgruppe?
Die ältere Hörerschaft hat eine gewisse Schwellenangst, deshalb ist der Anteil des Musikstreamings in Deutschland auch noch nicht so groß. Aber die Digital Natives ticken anders. Sie hören mobil, tauschen sich aus und geben neue Musik sofort weiter. Da tut sich was. 

Welche Rolle wird in Zukunft die Soundqualität spielen?

Wieder: Es kommt darauf an. Der Anteil der audiophilen Hörer ist hierzulande größer als in den USA. Der Musikstreaming-Dienst WIMP, der jetzt unter Tidal firmiert, hat hier in Europa sogar früher Fuß gefasst als in Amerika. Und in Asien boomt das Geschäft mit der Soundqualität.

Peter Tschmuck ist Professor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Musikwirtschaftsforschung.

 

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