Medien : Digitaler Kommerz im Kinderzimmer

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Herr Yogeshwar, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

In vielen Kinderzimmern ist es verdächtig ruhig geworden. Der Babysitter heißt PC, doch die Ruhe täuscht. Unbemerkt haben sich digitale Händler und Gaukler Eintritt in unsere Wohnungen verschafft. Ihr Ziel: Sie wollen unsere Kinder abkassieren. Ein Beispiel: Die Website Habbohotel (www.habbohotel.de). Da können junge Menschen miteinander „chatten“ und, um es sich in der kalten digitalen Welt etwas gemütlicher zu gestalten, gibt es einen Extra-Service: Mit so genannten „Habbo Talern“ kann man virtuelle Möbel kaufen. Die Bezahlung erfolgt kinderleicht via Handy; da braucht man Mama oder Papa nicht zu fragen. Der digitale Kommerz hat gerade im Kinderbereich absurde Auswüchse angenommen. Bei Habbohotel & Co gibt es für mich nur eine Antwort: Stecker ziehen! Auch wenn es dann laut wird in den Kinderzimmern!

Gab es auch etwas, worüber Sie sich gefreut haben?

Am Dienstagabend zeigte der WDR zu später Stunde einen fast ungekürzten Beitrag zur Mondlandung im Sommer 1969. Günter Siefart saß in seinem großen Mondstudio, umgeben von ernsten Experten, mit einem Knopf im Ohr. Für mich war diese Sendung ein Déjà vu aus meiner Kindheit. Damals war ich gerade zehn Jahre jung. Der neue Fernseher flimmerte unscharf vor sich hin, und mitten in der Nacht erlebte ich dann den Ausstieg von Neil Armstrong im Mare tranquilitatis. Aus der Perspektive des heutigen Schwenk- und Schnittfernsehens war diese historische Sendung ruhig und steif, doch sie war und bleibt spannend! „Hallo Houston, können Sie mich hören?“ Der Äther der 60er Jahre war noch nicht überladen mit Dauerberieselung und Werbepausen. Da sah man die Herren in den Unterlagen nachschlagen, und manchmal sagten sie nichts und wir alle blieben dran. Apollo 11 war mein Einstieg in die magische Welt des Fernsehens.

Ranga Yogeshwar

moderiert jeden

Sonntag die Sendung „W wie Wissen“

in der ARD um

17 Uhr 03

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