Medien : Digitales Fernsehen: Rückschlag für die Primacom

Matthias Hochstätter

Das digitale Fernsehen lässt weiter auf sich warten. Das Leipziger Landgericht hat am Mittwoch dem Kabelnetzbetreiber Primacom AG verboten, die Sender Pro 7, Kabel 1, TM 3 und DSF ausschließlich digital zu verbreiten. Das Landgericht meinte, dass die Primacom die Urheberrechte der Sender verletzt habe. Denn für eine rein digitale Verbreitung statt der bisher analogen gebe es keine Verträge. Das müssten sich die Sender nicht gefallen lassen.

Für Torsten Rossmann, Sprecher der ProSiebenSat 1Media AG, war das Urteil ein "voller Erfolg". Man wolle ja die Digitalisierung des Fernsehens, so Rossmann, doch neue Marktmodelle müssten vorher mit den Sendern abgesprochen werden. Nach diesem "Musterprozess" könne man nun wenigstens mit der Primacom verhandeln. Die will jedoch vorerst nicht verhandeln, sondern in Revision gehen. Das kündigte Primacom-Vorstand Hans Wolfert an: "Wir gehen bis in die letzte Instanz, auch wenn das Jahre dauert."

Die Primacom investiert Milliarden in den Ausbau des Kabelnetzes. Seine 70 000 Leipziger Kunden wollte der Mainzer Kabelbetreiber mit Gewalt ins digitale Fernsehen zerren, indem er einige Programme nur digital einspeiste. Die betroffenen Sender befürchteten entsprechend Reichweiten-Verluste und damit geringere Werbe-Einnahmen. Heinz-Josef Chlosta, Chef-Stratege der Primacomm sagte: "Alle wollen digitales TV, aber niemand will hinter die digitale Set-Top-Box." Wer an der schönen neuen Digitalwelt mitverdienen wolle, der solle auch das Investment und somit auch das Risiko tragen, so Chlosta. Eventuelle Reichweitenverluste gehörten da eben mit dazu.

Der Verband der Privat-Sender (VPRT) befürchtet jedoch, dass Kabelbetreiber wie Klesch, Callahan oder die Primacom es gar nicht auf das digitale TV abgesehen haben. "Die wollen sich ausschließlich über Telefonie und Internet refinanzieren", sagt Jürgen Doetz, Präsident des VPRT und Geschäftsführer von Sat 1. Die Privat-Sender fordern deshalb vom Gesetzgeber, dass ein Drittel der Kabelkapazitäten für den Rundfunk reserviert wird. Die Ministerpräsidenten wollen darüber erst 2004 entscheiden.

Die Primacom AG hatte am Dienstag die neuen Quartalszahlen vorgelegt. Die Investitionen ins Breitbandkabel und der Aufkauf kleinerer Betreiber führte in den ersten neun Monaten zu einem Fehlbetrag von 69 Millionen Euro. Seit März dieses Jahres segelt der Aktienkurs im Sinkflug durch den Neuen Markt.

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