Digitalisierung : "Keine andere Möglichkeit"

"Tribüne", die Fachzeitschrift zum Judentum, gibt es nur noch im Netz.

Die jüdische Zeitschrift „Tribüne“ verschwindet nach mehr als 50 Jahren aus dem Kiosk. Das Blatt, das zum Verständnis des Judentums beitragen will, kommt im nächsten Jahr nicht mehr gedruckt heraus. Im Internet (www.tribuene-verlag.de) sollen aber auch künftig Interviews und Beiträge erscheinen. „Der allgemein zu beobachtende Einbruch im Anzeigengeschäft, unter dem auch unsere Zeitschrift seit längerem leidet, lässt uns keine andere Möglichkeit“, teilte die Redaktion am Dienstag in Frankfurt mit. Das Dezemberheft ist die letzte Printausgabe. Die „Tribüne“ war erstmals 1961 erschienen. Die Zeitschrift war in Reaktion auf vermehrten Antisemitismus Ende der 50er Jahre gegründet worden.

Die Zeitschrift hatte nach Angaben des „Tribüne“-Redakteurs Otto Romberg – einschließlich seiner selbst – drei feste und 25 bis 30 freie Mitarbeiter. Sie erschien vierteljährlich und hatte meist eine Auflage von 5000 bis 7000 Exemplaren. Die „Tribüne“ sei ein „aufmerksamer Wächter“ gegen antisemitische und antidemokratische Tendenzen, schrieb 2001 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in einem Grußwort zum 40. Jubiläum. Romberg, inzwischen 80 Jahre alt, würde weitermachen: „Aber wir haben kein Polster.“ Subventionen habe das Blatt nie erhalten. Im kommenden Jahr soll mit der Digitalisierung aller 204 Ausgaben sowie des Sach- und Autorenregisters begonnen werden. dpa/Tsp

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