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Diskussion zum Tatort aus Leipzig : Messer im Kopf

Ein alter Bekannter, viel Blut, noch mehr Tote und ein unglaublicher Spaziergang: Der Leipziger "Tatort" im Spiegel des Pschyrembel und der sozialen Medien.

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Wie geht das? Mann mit Messer im Hals im "Tatort"
Wie geht das? Mann mit Messer im Hals im "Tatort"Screenshot: Tsp

Fetzige Musik, schnelle Schnitte, ein Mann geht leicht torkelnd mitten auf einer vielbefahrenen Straße in Leipzig. In seinem Hals auf der linken Seite steckt ein Messer, fast bis zum Anschlag. Eine Szene wie aus einem Horror-, gar Zombiefilm. Minutenlang geht der Mann weiter, ungläubig bestaunt von Passanten. Selten hat ein „Tatort“ so verwirrend begonnen wie diese Folge „Blutschuld“ aus Leipzig vom Sonntagabend. Die Meinung der Zuschauer war deutlich: Der Sprung über die Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke gelang nicht, nur 9,4 Millionen Menschen schalteten ein.

Mal abgesehen davon, dass man sich fragt, wie es zu dieser Verletzung kam und warum kein Passant auf den verletzten Mann zu geht und hilft - wie lange über-lebt es sich eigentlich mit einem Messer im Hals? Zudem der Mann, Patrick Kosen (Tino Hillebrand), der Sohn des Mordopfers, in den nächsten Szenen wieder ziemlich fidel ist.

In der Tat, im Halsbereich laufen mehrere große Blutgefäße in Richtung Kopf. Es ist im Grunde also unwahrscheinlich, dass ein Messer da nichts ausrichtet, wenngleich nicht völlig ausgeschlossen, heißt es aus medizinischer Sicht. Es kommt speziell auf die Stelle des Messer-Einstichs an und die Schwere der Verletzung. Allgemein ist ein Schnitt oder Stich durch die so genannte Carotis Arterie tödlich, mehr als eine Minute hält man damit nicht durch. Wenn das Rückrat durchtrennt wird, ist mit sofortiger Lähmung zu rechnen und an sich auch mit einem schnellen Tod.

Andererseits: Die Muskeln an der Seite des Halses und am Nacken können schon mehr Schäden wegstecken. Man hat gute Chancen zu überleben, wenn keine Gefäße durchtrennt sind.

Regisseur und Autor Stefan Kornatz ("Es ist böse") hat, was medizinische Nachschlagewerke betrifft, zumindest gut recherchiert für diesen "Tatort". Beim Cast hat er auf einen alten deutschen Krimi-Bekannten zurück gegriffen: Uwe Bohm als Hauptverdächtiger Christian Scheidt, Ex-Geschäftspartner des Mordopfers. Bohm tauchte bereits am vergangenen Sonntag im "Tatort" vom Bodensee auf, was "Tatort"-Fans nicht entgeht.

Alles in allem ein greller, eher durchschnittlicher "Tatort" mit erstaunlich vielen Toten. So viele wie bei Til Schweiger waren es aber nicht.

Beim nächsten Mal kann es ruhig etwas unblutiger zugehen. Damit der "Tatort" wieder unterhaltsamer wird als die Twitterei drumherum. By the way, die fetzige Alptraum-Musik vom Anfang, zum Messer im Hals, war von The Who: "Quadrophenia".

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