Medien : Distanz oder Entertainment

Ernst Huberty kommentiert Bundesliga-Fußball bei Sat 1

Markus Ehrenberg

Günter Koch, Werner Hansch, Marcel Reif – die Kunst, ein Fußballspiel zu kommentieren, hat in den vergangenen Jahren manchen Fernsehjournalisten mehr in den Mittelpunkt gestellt, als dem Fußballfan lieb sein kann. Eigentlich will der zu Hause vorm Fernseher ja nur wissen, wie sein Verein wo welche Tore geschossen hat. Ob „Sportschau", „Sport-Studio" oder „ran" - im Grunde ist der Fußballreporter ein Überbringer der Botschaften, der nur deswegen so wichtig wurde, weil das die Bundesliga eben auch ist. Da tat es schon mal gut, jemanden wieder zu hören, der dieses ganze Ligadatenbank-Gedöns nicht so wichtig nimmt: Ernst Huberty. Der Mitbegründer der ARD-„Sportschau" sprang am Sonnabend bei „ran" als Gastkommentar ein. Welch bizarres TV-Event. Leicht verschnupft und mit dem sprachlichen Gestus des „elder tv-man“ versuchte der 75-Jährige, dem drögen Kellerduell Leverkusen gegen Kaiserslautern so etwas wie Spannung abzuringen. Huberty musste scheitern. Sich selbst treu zu bleiben, über den Dingen zu stehen, langsam durchzuatmen und gleichzeitig den Erfordernissen der privaten Fußballshow gerecht zu werden („Auhahau . . . ein böses Foul!") – unmöglich. „ran" will blenden, bei jedem Spiel, ob gut oder schlecht, gleich unterhalten. Ernst Huberty will Analyse, Spielstenogramm, keine Gedanken lesen. Huberty geht auf Distanz, wo „ran“ am liebsten mitspielen möchte. Zusammen passt das nicht.

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