Medien : Döpfner wird Springer-Aktionär

Vorstandschef erhält zwei Prozent aus dem Paket von Friede Springer

Ulrike Simon

Mathias Döpfner mutiert immer mehr zum Verleger. Bislang fühlte sich der 43-jährige Springer-Vorstandsvorsitzende nach wie vor als Journalist. Manager zu sein, das ist in seinen Augen kein Beruf, zumindest kein seriöser. Und sich Verleger nennen darf nach seinem Verständnis niemand, der nur als angestellter Manager einen Verlag leitet. Dazu gehört, dass er erstens Journalist ist und zweitens nicht mit fremdem Geld hantiert. Zumindest ein Teil des Geldes, das Döpfner künftig in die Hand nimmt, ist sein eigenes.

Am Donnerstag teilte der Verlag mit, dass Mathias Döpfner zwei Prozent stimmberechtigte, auf seinen Namen eingetragene Aktien an der Axel Springer AG erwirbt. Die 680 000 Wertpapiere stammen aus dem Paket, das Verlegerwitwe Friede Springer 2002 (nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe) von der Deutschen Bank ersteigert hat. Von diesen zehn Prozent verkaufte sie bereits im Februar dieses Jahres drei Prozent an den Londoner Unternehmer Michael Lewis. Nach dem Verkauf weiterer zwei Prozent an Döpfner bleiben Friede Springer noch fünf Prozent. Hinzu kommen die 50 Prozent plus zehn Aktien, die sie über die Gesellschaft für Publizistik kontrolliert. Sie ist damit unverändert Mehrheitsaktionärin des Verlags.

Exakt 52,37 Millionen Euro wird Döpfner für den Anteil aufbringen müssen. Hinzu kommt der Betrag für die Schenkungssteuer auf die Differenzsumme zwischen dem tatsächlichen Verkehrswert der Aktie (104,50 Euro) und dem Stückpreis, den Döpfner bezahlt (77 Euro). Zum Teil erhält er das Paket also geschenkt. Insofern darf die Transaktion auch als ein Vertrauensbeweis und als Zeichen der Wertschätzung von Friede Springer interpretiert werden. Das private Verhältnis zwischen ihr und Döpfner ist ein freundschaftliches. Sie war es, die seine Ernennung zum Vorstandschef im Jahr 2002 forciert und ihn seitdem stets unterstützt hat. Nicht zuletzt ist der Wert des Unternehmens unter seiner Führung um das Zweieinhalbfache gestiegen: von 43 Euro Stückpreis pro Aktie auf aktuell 104,50 Euro.

Friede Springer hat das Aktienpaket zwar weit unter Wert an Döpfner verkauft. Unterm Strich bleibt jedoch auch für sie ein Gewinn von rund 16 Millionen Euro, hat sie die Aktien 2002 doch zum Stückpreis von 53,49 Euro ersteigert und verkauft sie nun für 77 Euro.

Formal bringt Friede Springer die Wertpapiere in eine so genannte Vorratsgesellschaft („Brillant 310. GmbH“) ein, an der Mathias Döpfner hundert Prozent halten wird. Zugleich verpflichtet er sich, alle Verbindlichkeiten zu übernehmen. Den Preis von 52,37 Millionen Euro plus Schenkungssteuer wird Döpfner über Bankkredite finanzieren. Nicht ausschließen will er, zu einem späteren Zeitpunkt kleinere Pakete weiterzuveräußern, um Kredite zu bedienen.

Mit dem Aktienkauf ist Döpfner weit über das vor wenigen Jahren eingeführte Aktienoptionsprogramm für Springer-Vorstände an einer positiven Entwicklung des Verlags interessiert. Und natürlich soll die persönliche Beteiligung auch bei den Investoren und in der Finanzwelt als Zeichen für die Zukunftsfähigkeit des Zeitungshauses gewertet werden.

Schon in der Vergangenheit gab es bei Springer Manager, die eigene Anteile am Verlag hielten – Günter Prinz, Peter Tamm. Der Gründer Axel Springer hatte sie ihnen zum Zeichen des Vertrauens geschenkt.

Döpfner, dessen Vertrag als Vorstandschef zum Jahreswechsel vorzeitig bis Ende 2011 verlängert wurde, geht nun selbst in die unternehmerische Pflicht. Es passt zu jenem Satz, der ihm im vergangenen Jahr bei einer Diskussionsrunde im Verlagsgebäude scheinbar beiläufig herausrutschte: „Springer ist mein Leben“.

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