Doku : Der dritte Mann

Die großen Polit-„Duelle“ im Fernsehen: Wie Bodo Hombach für Schröder den Lafontaine entnervte.

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Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine. Foto: WDR
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine. Foto: WDRFoto: WDR/dpa

Bodo Hombach, mittlerweile Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, spielt in der Geschichte der traditionsreichen SPD keine geringe Rolle. Dass der damalige Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine am 11. März 1999 von allen Ämtern zurücktrat, daran hat Hombach einen nicht unerheblichen Anteil. Er war 1998 von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Kanzleramtsminister ernannt worden, er sollte als Strippenzieher Lafontaine in der Regierungsarbeit in die Schranken weisen. Allein Schröders eigenmächtige Berufung von Hombach sei „ein Affront allererster Güte“ gewesen, wie der Lafontaine-Vertraute Burghard Schneider erklärt.

Hombach gibt sich in Michael Welchs Film in der „Duelle“-Reihe gelassen. Natürlich sei er von Schröder als „Gegengewicht“ engagiert worden. „Diese Aufgabe habe ich auch bewusst angenommen.“ Schröder und Lafontaine treten nicht vor die Kamera, das macht nichts, ihre Vasallen sind zahlreich vertreten. Ein hübscher Reigen von Köpfen aus der Berliner Republik. SPD-Linke wie Rechte, von Hermann Scheer bis Peter Struck, dazu Außenstehende wie Lafontaine-Biograf Joachim Hoell oder Jürgen Trittin, der von den Koalitionsgesprächen 1998 zu berichten weiß: „Wir haben mit zwei Parteien verhandelt.“ Mit der von Lafontaine und der von Schröder.

Auf dem Weg zur Macht wurde eine Freundschaft inszeniert, die keine war, wurden Widersacher wie Rudolf Scharping gemeinsam aus dem Feld geschlagen. Eine spannende Geschichtsstunde um zwei zur Macht drängende Männer, dem blitzgescheiten Internatsschüler Lafontaine, der sich immer überlegen fühlte, aber durch das Kölner Attentat im Jahr 1990 angeschlagen war. Und vom ehrgeizigen Schröder, dem Sohn kleiner Leute, für den die politische Karriere vor allem sozialer Aufstieg bedeutete.

Was politische Inhalte betrifft, agiert Autor Welch nur mit Schlagworten, Schlagzeilen. Da standen der „Wirtschaftskanzler“ gegen den Vertreter der „Linken“, der als Finanzminister die internationalen Finanzmärkte regulieren wollte und vom englischen Blatt „Sun“ zum „gefährlichsten Mann Europas“ gekürt wurde. Ein interessantes Detail, aus der Perspektive der Zeit nach der Finanzkrise betrachtet. Die Politik selbst wird in diesem Film nicht diskutiert, nur die Machtspiele der Politiker. Eine verengte Sichtweise. Thomas Gehringer

„Duelle: Schröder gegen Lafontaine“; ARD, 21 Uhr

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