Medien : Doku-Drama: Goebbels war schuld

Robert Bongen

Für Ralph Giordano ist das Werk ohne Zweifel das intellektuelle Verbrechen in der Vorbereitung des Holocausts: "Jud Süss". 1941 verfilmte Veit Harlan im Auftrag von Joseph Goebbels die historische Geschichte des Juden Süss Oppenheimer, der zum Berater des Herzogs von Württemberg aufsteigt - und machte daraus den populärsten antisemitischen Hetzfilm des Dritten Reichs. 20 Millionen Deutsche sahen den Film.

"Der Antisemitismus fand hier eine künstlerische Ausdrucksform, raffiniert und subtil inszeniert", erklärt Giordano. "Jud Süss" sei ein Symbol dafür, "wie sich die deutsche Intelligenz in die Judenverfolgung einspannen ließ." Der Publizist war 1949 als Berichterstatter für die "Wochenzeitung der Juden in Deutschland" dabei, als sich Harlan für seinen Film vor Gericht verantworten musste, angeklagt wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Doch der Regisseur stritt jegliche Schuld ab, verwies immer wieder auf den Drahtzieher Goebbels. Harlan wurde freigesprochen und von seinen Anhängern auf Schultern aus dem Gerichtsgebäude getragen. Auch ein zweiter Prozess ein Jahr später endete mit dem gleichen Urteilsspruch.

Über 50 Jahre später lässt Horst Königstein den Hamburger Harlan-Prozess in seinem Doku-Drama "Jud Süss - Ein Film als Verbrechen?" (Arte, 22 Uhr 15) noch einmal lebendig werden. Zusammen mit Drehbauchautor Joachim Lang hat er die Aktenberge der Staatsanwaltschaft durchwühlt, die Zeitungen von damals durchforstet und mit den wenigen noch lebenden Zeitzeugen gesprochen.

"Es soll weder eine Ehrenrettung Harlans noch eine nachträgliche Verurteilung sein", sagt Königstein, der vielmehr den Opportunismus im Nazi- und Nachkriegsdeutschland seziert und dabei der Frage nachgeht, inwieweit sich moralische Verantwortung mit strafrechtlichen Kategorien messen lässt. Die Antwort lässt er bewusst offen.

Der überwiegende Teil des Doku-Dramas spielt im Gerichtssaal, in dem sich der ehrgeizige Staatsanwalt Kramer (Florian Martens) und Harlan (Axel Milberg) gegenüberstehen. Der Regisseur und auch seine Frau Kristina Söderbaum (Esther Hausmann) treten auf wie moderne Popstars, theatralisch, sich der Unterstützung des überwiegend reaktionären Publikums gewiss. Immer wieder unterbrochen werden die Prozess-Szenen von den apologetischen Erinnerungen Harlans aus der Entstehungszeit von "Jud Süss".

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