Doku : Kick it like Narmila

Kreuzberg gegen den Iran – ein ungewöhnliches Frauenfußballspiel und die Folgen. Die Filmemacher Ayat Najafi und David Assmann haben das Match festgehalten.

Barbara Sichtermann
Kreuzberg - Iran
Szene aus dem Hinspiel des Frauenfußballmatches Iran gegen Kreuzberg. -Foto: Gelareh Kiazand

Der Frauenfußball ist ja auch in unserer Kultur noch nicht lange „in“. Der Weltmeistertitel brachte die deutsche Frauenelf ins Gespräch. Vorher hat man Spielerinnen belächelt und Spielerfrauen interessanter gefunden. Nicht lange ist es her, da gab es seitens der Sportbünde ein regelrechtes Kickverbot für Frauen! Okay, tempi passati. Aber was das Thema Frauen und die schönste Nebensache der Welt betrifft, sollte man sich hierzulande nichts einbilden – mit Blick auf den Iran, wo Frauen seit 1968 Fußball spielen, Trainer haben und eine Nationalelf stellen. Ein paar Einschränkungen gibt es schon. So ist beim Spiel ein Kopftuch zu tragen, so gibt es nur Spiele in Hallen, damit Männer daran gehindert werden können, zuzugucken. Und es gibt keine regulären internationalen Matchs. Als die Kreuzberger Linksverteidigerin Marlene davon erfährt, sagt sie sich: So geht es nicht. Da fahren wir hin, da mischen wir die Verhältnisse auf und sorgen dafür, dass die Iranerinnen gegen uns antreten. Die Filmemacher Ayat Najafi und David Assmann sollen auch mitkommen, alle Vorbereitungen und das Match selbst im Film festhalten.

Gesagt, getan. Getan war es ungeheuer schwer. Sehr mühsam die Annäherungsphase, sehr entmutigend all die Auflagen, sehr beunruhigend das Wechselbad von Zu- und Absagen. Aber irgendwann ist es so weit. Die Kreuzberger Fußballmädels sitzen im Flieger nach Teheran. Kamera und Kommentar von Ayat Najafi und David Assmann spiegeln die unsichere Lage, die Verständigungsschwierigkeiten und die Sehnsucht nach einer funktionierenden Achse Berlin-Teheran mit viel Einfühlung, Geduld und Mut zur Pause. Wie wird es weitergehen? Niemand weiß es genau. Diese aparte Dokumentation hat den Charme des Amateurhaften, wobei es nicht die Technik ist, deren Beherrschung zu wünschen übrig lässt, sondern die Wirklichkeit, also das, was die Filmemacher ins Bild bannen wollen. Was da passiert, ist ohne Beispiel: Frauen! Aus Berlin! Spielen Fußball! in Teheran! Gegen die dortige Frauenmannschaft!!

Najafi und Assmann haben Kurzporträts einiger Spielerinnen eingefügt. Die blonde Marlene kommt zu Wort und die jüngste, frechste und stärkste der Kreuzberger Mannschaft, Susu aus der Türkei. Sie kickte schon als Kind, um ihren Bruder zu übertrumpfen – das hat sie geschafft. Sie sagt: „Wenn man Jungs demütigt, ist das ein geiles Gefühl.“ Unter den Teheranerinnen ist es vor allem Narmila, die beeindruckt. Schon ihre Mutter hat Fußball gespielt, und als die mit ihrer sportlichen Tochter – beide in wallenden Gewändern – auf der Straße den Ball und sich selbst bewegt, sieht man deutlich, dass sie es immer noch drauf hat. Und Niloofar? Ihr Schwarm ist Beckham. Das Studium kommt zu kurz, weil sie immer nur trainiert.

Das Spiel findet tatsächlich statt. Aber nicht, wie ursprünglich angekündigt, in einem tollen Stadion, sondern auf einem vertrockneten Rasen mit kaputten Toren, auf den Bänken ausschließlich Frauen, die nicht jubeln, anfeuern, trampeln dürfen. Da sind die „Islamwächterinnen“ vor, die sich per Megafon zu Wort melden und verlangen, dass das Publikum sich anständig benimmt. Es werde gefilmt. „Bitte unterrichten Sie uns über jedes ungehörige Verhalten.“

Auch die Berlinerinnen tragen Kopftücher, sie geben sich höllische Mühe, nirgends anzuecken. Eine iranische Spielerin erzählt von den Exzessen der fußballbegeisterten Männer in den Stadien – in die Frauen nicht hinein dürfen. „Tanze nicht, schrei nicht, sei höflich. Das gilt nur für uns Frauen.“ Das Spiel endet 2:2. Jetzt tanzen und johlen die Frauen doch ein bisschen. Es soll ein Rückspiel in Berlin geben, im nächsten Jahr. Das wird einen Tag zuvor abgesagt. Die Kreuzbergerinnen: „Wir geben nicht auf.“

„Anstoß in Teheran“, Samstag, Arte, 18 Uhr 05

Kreuzber - Iran
Verhüllt wie die Gegenspielerinnen. Berliner Mädchen geben Autogramme. -Foto: rbb

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