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Doku : Marx in der Matrix

11.04.2011 11:15 Uhrvon

Die Doku von Jason Barker um die heutige Relevanz von Karl Marx ist ein schwer verkopftes Stück Fernsehen.

Es beginnt mit einer Hommage an den Kultfilm „Matrix“. Regisseur Jason Barker erweckt Karl Marx in einer surrealen Comicwelt erneut zum Leben und lässt ihn wie Neo in „Matrix“ auf den Mentor Morpheus/Leo Trotzky treffen. Morpheus-Trotzky bietet Neo-Marx zwei Pillen an. Eine davon verspricht die Karriere, die andere die höhere Erkenntnis. Rote oder blaue Pille, fragt Barkers Morpheus den Zuschauer. Rot, das sei die „unbequeme Wahrheit“, blau stehe für „die Illusionen der Konsumgesellschaft“. Die Finanzkrise habe tiefe Zweifel am kapitalistischen System aufgeworfen und den Ideen Karl Marx’ als gesellschaftlicher Alternative neue Relevanz verliehen, so die Ausgangsthese des britischen Autors und Philosophietheoretikers Barker.

Das Matrix-Gedankenspiel könnte hier zum Zentrum, zum Dreh- und Angelpunkt des Films werden. Doch die Comicsequenzen bleiben kryptisch und isoliert. In den Interviews werden die zentralen Begriffe aus Marx’ „Kapital“ und dem „Kommunistischen Manifest“ abgehandelt wie in einer Vorlesungsreihe: Ausbeutung, Klassenkampf, Konsumfetischismus, Eigentum. Dazu weht dem Zuschauer ein Bildersturm entgegen, der den Eindruck erweckt, Barker habe seinen Film mithilfe eines Zufallsgenerators zusammensetzen lassen. Athen, Berlin, Frankfurt, New York, Athen – Börse, Straße, Shopping-Mall, Großraumbüro, Straße. Der Kapitalismus beeinflusst alle unsere Lebensbereiche, will Barker sagen. Doch die Belege für diese These bleibt er schuldig.

Barker interviewte für seinen Film mehr als zwölf Befürworter und Gegner der Marx-Renaissance, unter anderem Peter Sloterdijk, Slavoj Žižek, Jacques Rancière, Antonio Negri, Herfried Münkler. Wir sehen viele intelligente Köpfe, die über Marx referieren. Doch was sie sagen, bleibt abstrakt, ein endloser Strom von Aussagen und Gegenpositionen. Nach fast 40 Minuten Film versagt es sogar dem Kommentator die Sprache. Barkers erstem Film fehlt die Dramaturgie – aber auch eine klare Haltung, eine Aussage.

Zwei Jahre nach der polemischen Satire-Doku „Kapitalismus – eine Liebeserklärung“ des Selbstdarstellers Michael Moore präsentiert Barker hier ein anderes Extrem zum selben Thema: wenig Handlung, viel Intellekt. Laura Stresing

„Marx Reloaded“ 23 Uhr 20, Arte

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