Doku : Missionar am Polar

Schauspieler Hannes Jaenicke kämpft für die Eisbären

Katrin Hillgruber

„Ob es Touren zu den letzten ihrer Art sind oder Mützen in Form eines Eisbären – der Eisbär verkauft sich großartig.“ Die Stimme aus dem Off klingt kämpferisch, aber auch bitter. Hannes Jaenicke und sein kälteresistentes Filmteam haben in der selbsterklärten „Eisbären-Hauptstadt“ Churchill, Kanada, einfach zu viel Empörendes und Erschütterndes gesehen. Gegen Ende des arktischen Sommers strömen solvente Touristen in das 900-Einwohner-Städtchen an der Hudson Bay, um den weißen Riesen aufzulauern. Sie tun das von „Tundra Buggies“ aus, riesigen Trucks mit Dieselantrieb und entsprechendem Kohlendioxidausstoß. Auch die Mutter der Berliner Zoo-Attraktion Knut wurde hier gefangen.

Der Sensationstourismus trifft die Tiere in ihrer empfindlichsten Phase. Je später die Bucht zufriert, desto später können die Bären auf die Jagd gehen und ihre Wurfhöhlen bauen. Laut dem Biologen Mathias Breiter, der seit zwanzig Jahren an der Hudson Bay forscht, hat sich die eisfreie Zeit um circa sechs Wochen pro Jahr verlängert.

Zwar behauptete die Band „Grauzone“ zur Hochzeit der Neuen Deutschen Welle, Eisbären müssten nie weinen. Heimlich scheinen es die verbleibenden maximal 25 000 Exemplare des größten Landraubtiers der Erde aber doch zu tun. Nur die Hälfte aller Eisbärjungen wird älter als zwei Jahre. Dennoch bleibt die Jagd auf das gestresste Raubtier weiterhin legal. Sollte der Permafrost schmelzen und dadurch die arktischen Bodenschätze zur Förderung freigeben, scheint das Schicksal des Eisbären besiegelt. „Dabei ist dieser bis zu 800 Kilo schwere Geniestreich der Natur, etwas, um das wir kämpfen sollten“, spricht Hannes Jaenicke mit dampfender Atemluft in die Kamera von Markus Strobel („Neunzig Minuten Stehen ohne Bewegung bei minus 25 Grad“).

„Ich hoffe, ein paar Menschen zum Nachdenken anzuregen“, sagt der Schauspieler, der sich schon als Jugendlicher für den Umwelt- und Tierschutz engagierte. Im Herbst letzten Jahres lief Jaenickes erste Dokumentation „Im Einsatz für Orang-Utans“ mit so großem Erfolg, dass sie bereits fünf Mal wiederholt wurde und viele Spenden einbrachte. Das ermutigte das ZDF, diese neue Form des aufrüttelnden Tierfilms nun zur besten Sendezeit zu zeigen. Nach den Eisbären folgen im November die Haie – zu Unrecht als gefährlich verleumdet und wegen ihrer als Delikatesse geschätzten Flossen erbarmungslos gejagt.

Als Vorbild verweist Jaenicke auf Douglas Adams’ Serie „Last Chance to See“ („Die letzten ihrer Art“). Das ZDF, das mit Manfred Karremanns mutigen, preisgekrönten Filmen über weltweite Tierquälerei schon Pionierarbeit leistete, will auch mit Hannes Jaenickes „Einsätzen“ neue Wege beschreiten: Bedrohte Tierarten werden aus nächster Nähe vorgestellt und klären darüber auf, „was wir mit der Umwelt und damit unserem gemeinsamen Zuhause treiben“, sagt Jaenicke. 30 000 Euro kostet die Jagd auf einen Eisbären. Katrin Hillgruber

„Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Eisbären“, 20 Uhr 15, ZDF

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