Doku : Monarchin der Herzen

Lange vor Lady Di war die preußische Königin Luise ein Medienstar

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Die Monarchin, gespielt von Luise Bähr, schwärmte für den russischen Zaren Alexander I.Foto: NDR

Auch das 18. und 19. Jahrhundert hatten eine „Königin der Herzen“: Die preußische Königin Luise (1776–1810) ist in Berlin noch heute allgegenwärtig. Zu den berühmtesten Abbildungen zählt die „Prinzessinnengruppe“ in der Alten Nationalgalerie. Die 1795 enthüllte Doppelstatue, mit der Johann Gottfried Schadow die schöne Luise und ihre Schwester Friederike verewigt hatte, war eine Ikone ihrer Zeit. Man munkelte gar in der Hauptstadt, die Geschwister hätten dem Bildhauer nackt Modell gestanden, so erotisch und gewagt wirkte Schadows Darstellung. Anstoß erregte das offenbar nicht allzu sehr, vielmehr gab es nachgebildete Porzellanbüsten, mit denen man sein Zuhause schmücken konnte. Luise, ein Medienstar mit den Mitteln ihrer Zeit.

Zu Beginn des Gedenkens 200 Jahre nach ihrem Tod zeigt Arte die Dokumentation „Luise – Königin der Herzen“. Bilder von ihr gibt es ja genug, auch zeitgenössische Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Berichte in der Presse. So lässt sich ihre Rolle an der Seite des ab 1797 regierenden Königs Friedrich Wilhelm III. nachvollziehen, zumal die Historiker Jürgen Luh und Luise Schorn-Schütte bei der Einordnung helfen. Kurioserweise heißt auch die Schauspielerin, die der Königin in den zahlreichen Spielszenen ein fröhliches, strahlendes Gesicht verleiht, mit Vornamen Luise, wobei man annehmen darf, dass Luise Bähr aus anderen Gründen ausgewählt worden ist. Dialoge musste sie und mussten die anderen Darsteller nicht sprechen, sie sorgen jedoch für eine überaus sonnige, heimelige Bildertapete.

Die unkonventionelle und volksnahe Königin, die gerne ausgelassen tanzte und mit ihrem Gatten, dem Thronfolger Friedrich Wilhelm, ohne Eskorte im Tiergarten spazieren ging, war bei den Bürgern beliebt, eine „Königin der Herzen“ und „der Anmut Göttin auf dem Thron“, wie August Wilhelm Schlegel dichtete, lange bevor Lady Di in England zu ähnlichem Ruhm kam. Durch Napoleons Schmähungen, Luises vergebliches Bitten um Milde für Preußen und ihren frühen Tod wurde sie schließlich zum nationalen Mythos. Preußens – und ihre persönliche – Demütigung im Jahr 1807 wurde zum Rachemotiv für den Kampf gegen den Erzfeind.

Auf teure Schlachtenszenen wurde in der Rückschau verzichtet. Der vom NDR produzierte Film konzentriert sich auf die höfische Perspektive, auf Kindheit und Ehe, auf Luises Einfluss auf die Mode (groß) und die Politik (klein) ihrer Zeit, auf die Begegnungen mit Russlands Zar Alexander I., für den sie schwärmte, und mit Napoleon, den sie verabscheute. Politik war natürlich ganz und gar Männersache, aber immerhin finden sich Belege dafür, dass sie die Reformen im durch Napoleon halbierten Preußen unterstützte: „Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen“, schrieb sie in ihr Tagebuch.

Leider bleibt der Luisen-Kult nach ihrem Tod, die Instrumentalisierung auch ihrer zahlreichen Abbildungen für die nationalistische Propaganda bis ins 20. Jahrhundert hinein, außen vor. Das dokumentarische Fernsehen, das nicht mehr ohne Spielszenen auskommen mag, führt hier zu einer eingeschränkten Perspektive und verpasst auch die Chance, die weitreichenden Folgen der Napoleonischen Kriege sowie die weitere Entwicklung Preußens und des Deutschen Reichs in den Blick zu nehmen. Das bleibt den Museen vorbehalten. In diesem Jahr eröffnen in Berlin sowie im Schloss Paretz in Brandenburg drei Ausstellungen, die an Königin Luise erinnern, beginnend am 6. März im Schloss Charlottenburg, in dessen Park auch ihr Mausoleum zu finden ist.

„Luise – Königin der Herzen“, Samstag, Arte, 21 Uhr 05

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