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Doku über Gerhard Richter : Schaffen und Schweigen

17.04.2013 00:00 Uhrvon
„Über Malerei zu reden, ist vielleicht sinnlos.“ Gerhard Richter, der höchstbezahlte lebende Künstler, lässt sich bei der Arbeit in seinem Kölner Atelier zusehen. Foto: WDRBild vergrößern
„Über Malerei zu reden, ist vielleicht sinnlos.“ Gerhard Richter, der höchstbezahlte lebende Künstler, lässt sich bei der Arbeit in seinem Kölner Atelier zusehen. Foto: WDR

Gerhard Richter ist der höchstbezahlte lebende Künstler. Für eine Doku hat er sich bei seiner Arbeit begleiten lassen - und beweist, dass es für Kunst nicht viele Worte braucht.

Gerhard Richter trägt Handschuhe, wenn er mit der Metallrakel Farbe auf seinen abstrakten Bildern verteilt. Das Handwerkliche des Malvorgangs wird deutlich. Ein Maler ist ein Maler; früher sagte man „Kunstmaler“, um den Künstler vom Handwerker zu unterscheiden. Richter, geboren in Dresden 1932, ist der höchstbezahlte lebende Künstler, jede Arbeit, die unter seinen Händen entsteht, trägt unsichtbar bereits ein Preisschild.

Corinna Belz durfte Richter für ihre 2011 im Kino gezeigte Dokumentation über die Schulter schauen, und nicht nur ihm, sondern dem ganzen Werkstattbetrieb, zu dem Assistent und Fotograf zählen und der sich in dem großzügigen Haus befindet, das sich Richter im Kölner Nobelvorort Hahnwald hat bauen lassen.

Das Atelier hat nichts von Bohème. Eher von einem Architekturbüro: aufgeräumt, funktional, weiß. Mittendrin drei Modelle, von den Ausstellungsräumen der Londoner Tate Modern, der Berliner neuen Nationalgalerie und des Centre Pompidou in Paris. Dort fand die Wanderausstellung mit Richters Werken statt. Höher hinaus geht’s in Europa nicht mehr, das erkennt der Zuschauer dieser 97-minütigen Dokumentation auf Arte auch ohne Worte. Und die Bilder, die Richter und die Kuratoren ausgewählt haben, ziehen als 1:50-Mini-Reproduktionen vorbei, wie sie der Assistent ausgedruckt hat, um im Modell die endgültige Hängung zu finden.

„Über Malerei zu reden, ist vielleicht sinnlos“, sagt Richter in einem Fernsehfeature von 1966, das Corinna Belz filmisch zitiert, und: „Ich finde die Bilder schlecht, die ich begreifen kann“. Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen. So übernehmen denn die Ateliergehilfen die Erläuterung – nein, nicht der Bilder, sondern der Farben – „titanweiß, kadmiumgelb“ –, die keine Klümpchen bilden dürfen – „sonst gibt’s so Riefen“ – und daher sorgfältig im Farbeimer gerührt werden. Für die fotorealistischen Bilder, deren Entstehungsprozess im Film leider nicht näher zur Sprache kommt, nimmt Richter Farben aus der Tube, aber jetzt sind Farbtopf und breiter Pinsel dran. „Bisschen stehen lassen“, merkt er an, nachdem das Bild in Grundzügen fertig ist. Es folgen Querstriche, Verwischungen, andere Farbakzente. Und jetzt steht er schon auf der Küchenleiter und arbeitet an einem weiteren Bild. Richter ist bemerkenswert gelenkig, immerhin war er zur Zeit der Filmaufnahmen bereits 77 Jahre alt.

Es ist gewiss läppisch, derlei anzumerken. Das aber liegt am Problem, einem Maler beim Malen zuzuschauen und sich zugleich Erkenntnisse daraus zu erhoffen. „Schwierig“, sagt Richter selbst und lacht, mehr in sich hinein als zur Kamera. Er deutet auf die Farbigkeit seiner neuesten Schöpfungen: „Ist doch viel mehr angesagt – draußen in der Welt“.

Draußen in der Welt würde Richters Verhältnis zur Geschichte interessieren, zur deutschen im Allgemeinen und der eigenen (Familien-)Geschichte im Besonderen, spätestens seit das Schicksal der von den Nazis ermordeten Tante Marianne enthüllt wurde. Deren Schwarz-Weiß-Foto hat Richter, wie viele andere Fotos aus dem Familienalbum, als Ausgangspunkt eines fotorealistischen Gemäldes genommen. Aber diesen Komplex streift die Filmemacherin nur; wohl, weil Richter zur Zeit der Dreharbeiten ganz mit abstrakten Bildern beschäftigt war. Einmal kommt das betreffende Gemälde vor die Kamera, aber da sind 70 Minuten bereits herum.

„Wie gehen Sie mit dem Ruhm um?“, wird Richter bei einer Pressekonferenz gefragt, wo ihn die Fotografen umlagern wie einen Popstar. „Das ist ein Problem“, antwortet Richter: „Man kommt nicht zum Malen.“ Koketterie. Richter kommt zum Malen, wie die Dokumentation 97 Minuten lang belegt. Und belegt, dass Filme mit Künstlern eine Sache für Liebhaber sind. Für alle anderen hätten 30 Minuten gereicht. Jedenfalls von diesem Filmmaterial, das nur einen Ausschnitt des komplexen Künstlers Gerhard Richter zeigt, der nicht viel von sich preisgibt.

„Mann, macht das Spaß!“, freut er sich nach dem Malen eines weiteren abstrakten Bildes. Abspann. „Bilde, Künstler, rede nicht!“ Richter beherzigt das notorische Goethe-Wort.

„Gerhard Richter Painting“, 21 Uhr 45, Arte

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