Medien : Doku über Neonazis in der DDR

Filmpremiere am Ort des Geschehens, 19 Jahre danach: Am 17. Oktober 1987 ist die Zionskirche in Prenzlauer Berg Schauplatz eines Konzerts der Band „Element of Crime“ aus West-Berlin. Am Schluss der Veranstaltung stürmen Skinheads ins Gotteshaus, schlagen auf Besucher ein, zerren Mädchen an den Haaren auf die Straße, rufen „Kommunistenschweine“, „Juden raus aus deutschen Kirchen“ und „Sieg heil!“ Die Volkspolizei ist am Ort, tut aber nichts. „Macht doch was!“ ruft einer. Die Genossen sind ratlos: „Abwarten und Teetrinken“. Zwei Monate später wird den Skins der Prozess gemacht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf und die DDR als Hort des Antifaschismus so tut, als lebten sämtliche deutsche Neonazis in der Bundesrepublik, werden aus den Skins nurmehr Rowdys und Ruhestörer, die hier eine Fehde mit den vom Staat als „negativ-dekadent“ eingestuften Punks austrugen. Die Skins hatten sich bei einer Geburtstagsfeier in Ost-Berlin die Attacke auf die Leute in der Zionskirche ausgedacht und fürs Gericht eine Glatze aus West-Berlin erfunden, die sie „Bomber“ nannten. Um ihn ausfindig zu machen, bat die DDR-Staatsanwaltschaft ihre West-Berliner Kollegen um Rechtshilfe, die fiktive Figur wurde natürlich nie gefunden, aber man hatte wieder Munition im Propagandakrieg: Immer ist der böse Westen schuld.

Organisierter Volkszorn über ein zu mildes Urteil führte schließlich dazu, dass die Strafe für den Rädelsführer Ronny B. auf vier Jahre Haft verdoppelt wurde. Als er aus dem Knast kam, hatte sich die DDR erledigt. Im Dokumentarfilm „Die Nationale Front – Neonazis in der DDR“, der am Dienstag vorgestellt wurde und am 27. November vom RBB ausgestrahlt wird, nennt Ronny B. als sein Motiv von damals vor allem „Wut auf diese ganze rote Scheiße“. Tom Franke und Andreas K. Richter lassen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen, die von rechtsradikalen Erscheinungen berichten – eine „Nationale Front“ indes war in der DDR etwas ganz anderes. Lothar Heinke

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