Doku über Sängerin Tina Turner : Erst Ike, dann Ich

Eine Doku über Tina Turner – Ehefrau, Pop- und Rock-Legende, Mega-Star.

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Live on stage. Welterfolge wie „Simply The Best“, „We Don’t Need Another Hero“ oder der James-Bond-Titelsong „GoldenEye“ – alles erst nach der Trennung von Ike Turner.Foto: WDR
Live on stage. Welterfolge wie „Simply The Best“, „We Don’t Need Another Hero“ oder der James-Bond-Titelsong „GoldenEye“ – alles...Foto: WDR/ddp

Jede Biografie hat ihre Brüche. Und meist sind es diese Bruchstellen, denen etwas Neues folgt: Ein anderer Weg, ein Umdenken. Auch im Leben der Anna Mae Bullock gibt es diese Bruchstellen. Die Kindheit der am 26. November 1939 in Brownsville, Tennessee geborenen Anna Mae, die später einmal Tina Turner heißen wird, ist keine leichte, die kleine Anna Mae wächst überwiegend bei ihren Großeltern auf, in Nutbush. Sie ist die jüngere von zwei Töchtern des Baptisten-Diakons Floyd Richards Bullock und seiner indianischen Frau Zelma. Ihre Neigung, sich darzustellen, sich zu präsentieren, bricht sich bei Anna Mae schon früh Bahn. Und da ist die Musik, das Singen: Sie singt im Kirchenchor von Nutbush.

1958 begegnet Anna Mae Ike Turner, da ist sie 19. Sie wird Backgroundsängerin in Ikes Band „Kings of Rhythm“, die später in „Ike & Tina Turner“ umbenannt wird. Turner entdeckt sie, fördert sie, und schließlich heiratet er sie 1962, obwohl sie dies eigentlich gar nicht will. Sie – die früh schon bei ersten Auftritten als Frontfrau der Band Mitte der 1960er („Please, Please, Please“, 1966) als „Königin, als weiblicher James Brown“ bezeichnet wird – empfindet ihn als Bruder im Geiste, als Arbeits-Kollegen. Nicht jedoch als ihren Mann: „Als Ike sich zum ersten Mal wirklich an mich heranmachte, da schämte ich mich, denn ich dachte, er sei mein Freund. Wir waren uns sehr nah, so wie Geschwister, und deswegen hätte er das eigentlich nicht tun dürfen (…) Er war nicht mein Geliebter, da war etwas falsch.“

Tina Turner leidet sehr unter ihrem Ehemann und Arbeitspartner, der sie von ihm abhängig zu machen versucht, dem sie beruflich wie privat jedoch über insgesamt 20 Jahre nicht entkommt. Ihr Förderer wird ihr zum Feind: „Ich mochte mein Leben nicht. Ich mochte die Singerei nicht. Mein Leben war furchtbar. Die Bilder waren furchtbar. Doch die Leute hielten mich für einen Star, und ich machte das Beste daraus.“

Dann kommt wieder so eine Bruchstelle: 1978 reicht Tina Turner die Scheidung von ihrem Mann Ike ein. Zwar behält sie ihren Namen, alles andere aber schüttelt sie ab. Alles auf Anfang: So sind es denn die 80er Jahre, die die erfolgreichste Zeit überhaupt im Leben der Pop- und Rock-Sängerin darstellen. Nach dem endgültigen Bruch mit Ehemann Ike startet Tina ihre Solo-Karriere. Seit 1979 ist Roger Davies nun ihr Produzent. „Let’s Stay Together“ erscheint 1983 als Single. 1984 ist es, als sie erstmals überhaupt mit dem Song „What’s Love Got To Do With It“, einer Single-Auskopplung aus dem Album „Private Dancer“, auf Platz eins der Charts gelangt. Da ist Tina Turner 44. Viele Jahre harter Arbeit liegen hinter ihr. Welterfolge liegen vor ihr. Darunter: „Simply The Best“ (1991), der „Mad-Max“-Titelsong „We Don’t Need Another Hero“ (1985), oder der James-Bond-Titelsong „GoldenEye“ (1995).

Die Dokumentation von Stefan Morawietz, die innerhalb der ARD-Reihe „Pop-Legenden“ läuft, stützt sich naturgemäß sehr auf Archiv-Materialien, einige wenige Interviews mit Zeitzeugen – darunter der ehemalige EMI-Europa-Chef Helmut Fest – wurden neu geführt, jene mit Tina Turner selbst sind nahezu allesamt älteren Datums, aus den 1980ern, den 90ern sowie aus dem offiziellen Interview zum „All The Best“-Album 2004. Insbesondere die minutenlangen Konzertmitschnitte wirken dabei so, als ob man nach Füllmaterial gesucht habe. Das wird zumindest stellenweise unkommentiert stehen gelassen.

Im Juli 2013 heiratet Tina Turner ihren langjährigen deutschen Lebensgefährten, den 57-jährigen Musikmanager Erwin Bach, mit dem sie nach einigen Jahren in Köln seit Mitte der 1990er Jahre in Küsnacht am Zürichsee lebt. Vielleicht schließt sich damit auch ein Kreis, wird damit jene schmerzende Bruchstelle von 1978 geschlossen, endgültig.

Wenngleich in dem Porträt einige wenige Ausschnitte und Sequenzen enthalten sind – die insbesondere in den frühen, interessanteren Schwarz-Weiß-Aufnahmen („A Fool In Love“ von 1966) eine ganz andere, eher unbekannte Tina Turner zeigen, eine, mit langem glatten Haar, sehr schmal und filigran, scheu und gleichzeitig keck –, so entsteht doch der Eindruck, dass diese Dokumentation dem Leben der heute 73-jährigen Diva, „der erfolgreichsten Pop- und Rock-Sängerin aller Zeiten“, nicht wirklich gerecht zu werden vermag.

„Pop-Legenden: Tina Turner“,

ARD, Mittwoch, 22 Uhr 45

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