Doku : Voller Widersprüche

Eine ORF-Dokumentation bringt Grace Kelly mit dem Orden der „Sonnentempler“ in Verbindung.

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Foto: ZDF
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Hollywood-Star, Hitchcock-Blondine, Stilikone. Dann der Bruch. 1955, im Alter von 26 Jahren, heiratet die US-Schauspielerin Grace Kelly Fürst Rainier III. von Monaco. Und sie gibt alles auf, Familie, Karriere, Land, Sprache. Noch einmal 26 Jahre wird diese zweite Lebenshälfte andauern, bis September 1982. Da stirbt sie als Gracia Patricia bei einem Autounfall. Bis heute ranken sich Legenden und Theorien um Grace Kelly, selbst längst zum Mythos geworden. Sie war Alfred Hitchcocks Lieblingsschauspielerin, in drei seiner Filme hat sie mitgewirkt, „Bei Anruf Mord“ (1954), „Das Fenster zum Hof“ (1955) und „Über den Dächern von Nizza“ (1955). Wenn sie etwa Cary Grant im Hotel Carlton an der Zimmertür unvermittelt küsst und ihm einen durchdringenden Blick zuwirft, bevor sie die Zimmertür direkt vor seinem Gesicht schließt, dann hat allein dieser Auftritt in „Über den Dächern von Nizza“ neben seiner unterschwelligen Erotik etwas nahezu Überirdisches. Genau hierin lag und liegt der zeitlose Zauber der zauberhaften Grace Kelly.

„Gracia Patricia – Der Preis des Ruhms“ ist eine Dokumentation des Channel 4, vom ORF erst für das österreichische Fernsehen bearbeitet, nun in dieser Fassung erstmals im deutschen Fernsehen zu sehen. Die Doku von David Cohen und Jenifer Clayton ist auf mehreren Ebenen außergewöhnlich. Zwar kommen auch hier die üblichen Interview-Partner zu Wort, die auch sonst in keiner älteren Grace-Kelly-Dokumentation fehlen durften, wie gerade etwa Rita Gam, ehemalige US-Schauspielerin und 1956 eine der Brautjungfern Grace Kellys. Neu jedoch sind diverse Archivmaterialien, darunter Aufnahmen von Grace Kelly vor und während ihrer Ehe mit Fürst Rainier III. Es sind Bilder, die die Ambivalenz Grace Kellys, ihre Dualität nur mehr verstärken. Oder, wie es ihre langjährige Freundin Judith Quinn sagt: „Sie war voller Widersprüche. Darin lag aber auch ihre Faszination. Auch wenn man sie sehr gut kannte, kam plötzlich eine völlig andere Facette ihres Wesens zum Vorschein“.

In ihrem letzten Lebensjahr, 1982, nimmt eine Freundin sie mit, fährt mit ihr zum Orden der sogenannten „Sonnentempler“. Ende der 70er Jahre liegt das Zentrum dieses ominösen Geheimbundes in Südfrankreich. Diese Dokumentation zeigt auf, dass ausgerechnet ein enger langjähriger Freund von Fürst Rainier, den er seit seiner Kindheit kannte, eine der maßgeblichen Figuren dieser „Sonnentempler“ war.

Am Ende ihres kurzen Lebens soll Grace Kelly also bei den „Sonnentemplern“ gewesen sein. Dies jedenfalls berichtet ein ehemaliges Mitglied dieses umstrittenen Ordens, ein Monsieur Guy Mouyrin. Mouyrin erzählt auch von den obskuren Verheißungen, die dieser Geheimbund seinen Mitgliedern machte.

Es bleibt offen, inwiefern die Fürstin all dem wirklich nahegestanden hat. Grace Kelly verunglückte am 13. September 1982 in ihrem Auto auf den Serpentinen oberhalb von Monaco. Sie starb einen Tag später, mit 52 Jahren. Mit ihr im Wagen saß die damals erst 17-jährige Tochter Stéphanie. Die Umstände ihres Unfalltodes sind bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Thilo Wydra

„Gracia Patricia – Der Preis des Ruhms“, 3sat, 20 Uhr 15

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