Medien : Dokumentarfilm: Im Wahn der Rasse

tgr

Es ist nicht einmal 60 Jahre her, dass ein deutscher Innenminister sagte: "Ob die anderen Völker in Wohlfahrt leben, ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen - anders interessiere ich mich nicht." Heinrich Himmler war am 4. Oktober 1943 auf dem Höhepunkt seiner Macht, als er mit einer Rede vor dem SS-Führungskorps im Schloss von Posen eines der entlarvendsten Zeugnisse der Nazizeit ablegte. Unverhohlen rechtfertigte er die Verbrechen im Namen des Rassenwahns.

Der Regisseur Romuald Karmakar hat Himmlers Rede nach den Original-Schallplattenaufnahmen rekonstruiert und ließ sie von Schauspieler Manfred Zapatka im November 1999 vorlesen. Erstmals ist der dreistündige Dokumentarfilm "Das Himmler-Projekt" einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, heute ab 23 Uhr 15 im WDR-Fernsehen. Die Sendezeit mag eine Zumutung sein für einen solch kargen, anstrengenden Film, der bei der Berlinale 2000 für Gesprächsstoff sorgte. Immerhin machen WDR und 3sat, das den Film im November ausstrahlen wird, damit eine noch größere Zumutung ein Stück weit wieder gut; denn das "Himmler-Projekt" hat bis heute nicht den Weg in die Kinos geschafft. Fördermittel für den Verleih bereitzustellen, hatte die Filmstiftung NRW abgelehnt. Über die Gründe wird offiziell nichts mitgeteilt, doch laut Karmakar habe das Entscheidungsgremium angegeben, die Kinos könnten zu einem "Aufmarschfeld für Neonazis" werden. Dabei verzichtet Karmakar, der in "Manila" und "Der Totmacher" intensive Täter-Studien vorgelegt hat, auf nachgedrehte Spielszenen oder Wochenschau-Bilder, was Ewiggestrige noch am ehesten anlockt. Im "Himmler-Projekt" gibt es nur Manfred Zapatka, der die belanglosesten wie brutalsten Text-Stellen mit gleichmäßiger Kühle vorträgt.

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