Dokumentation : Der Kurfürst und die Schweine

Lutz Pehnerts Film über das Berliner Stadtschloss ist eine Fundgrube für alle, denen die Argumente ausgehen.

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Grüne Wiese. Die prominente Freifläche im Herzen der Hauptstadt. Foto: RBB
Grüne Wiese. Die prominente Freifläche im Herzen der Hauptstadt. Foto: RBBFoto: rbb/credofilm

Bezahlt wird das Schloss von den Bürgern. Mit Kaffee-, Schokoladen-, Perücken- und Jungfrauensteuer. Eine Demonstration königlichen Prunks soll sie sein, die ausgebaute Residenz in der Mitte der Stadt, Ende des 17. Jahrhunderts von Andreas Schlüter entworfen, in der damals gängigen internationalen Architektursprache der Macht. Aber Friedrich der Große mochte später Sanssouci lieber und wohnte eigentlich nie im Zentrum Berlins.

Lutz Pehnerts 45-Minuten-Film „Das Berliner Stadtschloss“ hält sich angenehm zurück, was die hitzige Schlossdebatte betrifft. Kein Stellungskrieg zwischen Befürwortern und Kritikern, keine Fortsetzung des Barockfassadenstreits, kein Wort über die Sparpaket-bedingte Bauverschiebung. Stattdessen Bilder von der begrünten, mit Müßiggängern bevölkerten heutigen Freifläche – und Geschichten vom Schloss. Der Große Kurfürst, der nach dem 30-jährigen Krieg die Schweinezucht in Berlins Mitte untersagte. Der Kuppelstreit zwischen Reichstag und Schloss. Der Archäologe, der hier das Stadtquartier aus dem 12. Jahrhundert ausbuddelt. Der Bildhauer, dem es eine Genie aus dem Eosander-Portal angetan hat. Der Architekt der Rekonstruktion, der kein Denkmal will, sondern einen Maßstab für die Gebäude ringsum. Der Historiker, der Augenzeuge der Sprengung, der Fassadenattrappen-Erfinder. Pehnerts Film ist eine Fundgrube für alle, denen beim Schloss die Argumente ausgehen, bei den Fans wie den Gegnern. chp

„Geheimnisvolle Orte“, RBB, 20 Uhr 15

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