Medien : Dokumentation: Ein Ort der Kindheit

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Berlin-Pankow, Hadlich-Straße/Ecke Berliner Straße: Wo einst Kinder durch den Garten tobten und auf bessere Zeiten hofften, stehen einige ältere Herrschaften unsicher beieinander und versuchen im Gegenüber das Kind zu erkennen, das vor rund sechs Jahrzehnten möglicherweise der Nachbar im Klassenzimmer war. Sie alle verbrachten ihre Kindheit im Jüdischen Waisenhaus, obwohl die meisten gar keine Waisen waren. Die Eltern hofften nur, ihre Kinder in diesem Gebäude heil durch die Nazizeit zu bekommen. Zu Zeiten der DDR war in dem Gebäude zunächst die polnische, dann die kubanische Botschaft. Nach einigen Jahren Leerstand soll das Haus wieder genutzt werden - als Begegnungszentrum, auch wenn nicht weiter erörtert wird, was für Begegnungen hier stattfinden sollen.

Die Autoren Angelika Kettelhack und Uli Gellermann konzentrieren sich in ihrer 30-minütigen Dokumentation "Wo Heimat war" (21 Uhr 35, ORB) ganz auf die Begegnung mit fünf Männern: Sie verdanken ihr Überleben internationalen Flüchtlingstransporten und sind als Jugendliche auf diese Weise in England oder Holland gelandet: Günter Goldbarth lebt heute in Kanada, Bert Lewyn in den USA, der Immunologe Leslie Baruch Brent in London, Ernst Herbert Farr in Buenos Aires. Der Schriftsteller Jan Koplowitz, der Älteste von ihnen, engagierte sich während des Dritten Reiches im Widerstand und kehrte unmittelbar nach dem Krieg nach Berlin zurück. Er ist der Einzige, den es in Deutschland hielt, der das Land seiner Geburt auch heute noch als Heimat empfindet.

Die Autoren stellen an den Anfang ihrer Dokumentation die Begegnung im Waisenhaus, um dann die Lebensgeschichten der fünf Protagonisten im Kurzdurchlauf zu erzählen. So bleibt weder die Zeit, auf die Geschichte des Hauses einzugehen, noch einen der Männer näher kennen zu lernen. Der Film bleibt Stückwerk - ob das Waisenhaus für die Kinder tatsächlich "Heimat war", erfährt der Zuschauer nicht.

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