Dokumentation : Grauer Planet

Im ZDF-Dokudrama "Armageddon - Der Einschlag" schlägt ein gewaltiger Asteroid im Golf von Mexiko ein. Nach dem spielerischen Zukunftsszenario "2057" ist dies die zweite international produzierte "Super-Doc" unter Federführung des ZDF.

Thomas Gehringer
Einschlag
Zielort Mexiko: Von Yucatan wird nach dem Einschlag nichts mehr übrig sein. -Foto: ZDF

Die Wettervorhersage des ZDF fällt pessimistisch aus: Feuerstürme, Flutwellen, ätzender Regen, monatelange Dunkelheit, erst unerträgliche Hitze, dann beißende Kälte – der Blaue Planet wird ganz grau. Wie vor 65 Millionen Jahren kracht ein gewaltiger Asteroid von zehn Kilometer Durchmesser in den Golf von Mexiko. Was die Forscher über die Folgen einer globalen Katastrophe wie der aus der Kreidezeit zu wissen glauben, setzt das ZDF in dem zweiteiligen Dokudrama „Armageddon – Der Einschlag“ in Szene. Nur landet der Brocken aus dem All diesmal im 21. Jahrhundert.

Vor neun Jahren hat Hollywood das Thema schon mit Filmen wie „Armageddon“ und „Deep Impact“ ausgekostet, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geht es dagegen streng wissenschaftlich zu. Autor und Regisseur Stefan Schneider bat zehn Experten aus Deutschland, den USA, Kanada, Schweden und den Niederlanden zu einer Konferenz ins Bonner Forschungsinstitut Caesar. Durch Einblendung von Gesprächs- und Interviewschnipseln mit diesen Experten versucht der Regisseur die fiktionale Handlung zu erden. Das gelingt nicht immer überzeugend: Ein Feuerball, zehnmal heißer als die Sonnenoberfläche, lässt alles im Umkreis von 1600 Kilometern in Flammen aufgehen. Wird es da zum Überleben reichen, die Bunkertür Sekunden vor dem Eintreffen des Feuersturms zu schließen?

Das Desaster wird von vier Standorten aus erzählt: aus der Sicht von zwei Wissenschaftlern in einem Observatorium auf Hawaii, von einer Pariser Familie, von Pygmäen im Kongo, die nichts von der bevorstehenden Katastrophe ahnen, und von einem Mexikaner, der von Texas aus in seine Heimat aufbricht. Die Halbinsel Yucatan ist zwar aufgrund des Asteroiden gerade verdampft, dennoch schafft es der Mexikaner bis an den Rand des Kraters. Ein bisschen Hoffnung muss sein im Fernsehen, aber auch dieses Bild erscheint nach all den Informationen über die verheerenden Folgen reichlich gewagt. So stiftet die fiktionale Handlung bisweilen vor allem Verwirrung.

Nach dem spielerischen Zukunftsszenario „2057“ ist „Armageddon“ die zweite international produzierte „Super-Doc“, bei der das ZDF die Federführung hatte. Gemeint sind laut Peter Arens, Kultur- und Wissenschaftsleiter des ZDF, „inhaltliche und ästhetische Leuchttürme“ zu internationalen Themen. Mit ihnen wolle man die „dringend fällige Aufwertung“ des Genres Dokumentation gegenüber den „Glamourformaten Show und Fiktion“ erreichen. „Früher haben Discovery Channel, National Geographic Television und BBC die Programme entwickelt, und wir durften ihre Projekte mitfinanzieren, heute schaffen wir es auch umgekehrt“, sagt Arens.

Beide Filme setzte die Kölner Produktionsfirma Gruppe 5 um. Allerdings sind trotz der Federführung des ZDF, das bei der 1,5 Millionen Euro teuren Produktion etwa die Hälfte der Kosten trug, keine deutschen Schauspieler oder Schauplätze zu sehen.

„Armageddon – Der Einschlag“, ZDF, 20 Uhr 15, Teil 2 am 2. Oktober

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