DOKUMENTATION : Streit um Luxemburgs Leiche

von

Eines vorneweg: Auch der RBB hat nicht herausgefunden, welche von zwei im Jahr 1919 aus dem Landwehrkanal gezogenen Frauenleichen Rosa Luxemburg war. „Das Rätsel des Torsos bleibt ungelöst“, textet Autorin Gabriele Denecke am Ende ihres Films „Leichensache Luxemburg“, den die ARD am Mittwoch ausstrahlt.

Im Mai 2009 hatte Michael Tsokos, Leiter der Rechtsmedizin der Berliner Charité, angekündigt: Er wolle beweisen, dass ein seit Jahren in der Charité gelagerter Frauentorso die echte Luxemburg sei. In Friedrichsfelde wäre somit 1919 eine andere Frau bestattet worden. Der Beweis ist Tsokos nicht geglückt. Immerhin hat er erfolgreich Zweifel gesät und eine stolze Zahl von Kritikern gesammelt.

Denecke lässt beide Seiten zu Wort kommen: Neben Tsokos, der in einer Pflanzensammlung vergeblich nach DNA-Spuren der ermordeten Kommunistin sucht, treten auch einige seiner wichtigsten Widersacher auf: Volkmar Schneider, Tsokos’ Vorgänger in der Charité, und Klaus Gietinger, Autor des kürzlich veröffentlichten Buchs „Rosa Luxemburgs Tod“. Aber wieso hat sich Tsokos so eifrig um den Fall bemüht? Und wieso ist der Ton zwischen den streitenden Parteien so scharf geworden? Das mögliche Motivgeflecht aus persönlichen Eitelkeiten und politischen Interessen versucht der Film nicht zu ergründen. Die Autorin beschränkt sich auf sachliche Argumente und eine Rekonstruktion der Ereignisse: der Mordtat, des Funds der verschiedenen Leichen, der rechtsmedizinischen Vorgehensweise.

Im Fahrwasser der zahlreichen Obduktionskrimis mutet „Leichensache Luxemburg“ eine Art televisionärer Leichenschau zu. Nur dass es sich hier um echte Menschen handelte, ist ein Detail, das bisweilen unterzugehen scheint. Welche Bedeutung Rosa Luxemburg hatte, erzählt der Film nur unbefriedigend knapp und am Rande.Thomas Gehringer

„Leichensache Luxemburg“, ARD,

23 Uhr 30

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben