Dokumentation : Todesangst, Befreiung

Das ZDF zeigt heute eine Dokumentation über das Drama von Mogadischu. Bedenkt man, dass die Autoren nur knapp vier Monate Zeit hatten, ist "Das Wunder von Mogadischu" ein beachtlicher Film geworden.

Thomas Gehringer
Landshut
Verhandlungstaktik: Die "Landshut" nach der Landung in Mogadischu. -Foto: dpa

Im deutschen Herbst 1977, der reich an Tragödien war, war die Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Mogadischu ein seltener Glücksfall: Nachdem Kapitän Jürgen Schumann in Aden/Südjemen von den Terroristen erschossen worden war, blieben alle übrigen 90 Geiseln bei der Erstürmung unverletzt. Dabei ging bei der Aktion der GSG9 durchaus einiges schief. Der Funk fiel aus, ein Mann, der eine der Türen an dem Flugzeug öffnete, stürzte mit seiner Leiter ab. Auch nach dem glücklichen Ende ergab sich eine heikle Situation: Als die GSG9-Truppe zurückfliegen wollte, wurde ihre Maschine von somalischen Soldaten umstellt. Die Bundesregierung hatte behauptet, drei Deutsche und nur ein Araber hätten die „Landshut“ gekapert. Die Autoren der Dokumentation „Das Wunder von Mogadischu“ präsentieren erstmals ein Aktenstück aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes, das diese Verhandlungstaktik belegt.

Erst nach der Befreiung ging den Somalis auf, dass sie einem deutschen Kommando erlaubt hatten, auf ihrem Gebiet Palästinenser anzugreifen. Aber auch diese Situation konnte entschärft werden, schließlich hatte der Abgesandte der Bundesregierung, Hans-Jürgen Wischnewski, einen Koffer voll Geld mit. Für Klaus Bölling, damals Bonner Regierungssprecher, „grenzte es an ein Wunder“, dass außer Schumann und den drei getöteten Terroristen niemand ums Leben kam. Wie ein Wunder erscheint bis heute vielen befreiten Passagieren ihr Überleben. Das kann man angesichts der dramatischen Odyssee über Rom, Larnaka, Dubai, einer Notlandung in Aden und dem Weiterflug in der beschädigten Maschine nach Mogadischu, der Erschießung Schumanns vor aller Augen, den Schikanen und Todesdrohungen nur zu gut verstehen. Die Autoren Stefan Brauburger, Oliver Halmburger und Stephan Vogel erzählen in 45 dichten Minuten von der Todesangst der Passagiere und von den politischen Hintergründen. Spielszenen sollen die Vorgänge an Bord dokumentieren. Neben Bölling und dem mittlerweile verstorbenen Wischnewski sind Hans-Dietrich Genscher, GSG9-Kommandant Ulrich Wegener, RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock, damalige Vertreter des Südjemens, der Sowjetunion und der DDR zu hören. Erstmals äußern sich GSG9-Mitglieder und Bassam Abu Sharif, der Sprecher der radikalen Palästinenser-Organisation PFLP, der die Entführer angehörten.

Bedenkt man, dass die Autoren nur knapp vier Monate Zeit hatten, ist „Das Wunder von Mogadischu“ ein beachtlicher Film geworden. Einige Details wie das Schicksal der einzigen jüdischen Passagierin an Bord der „Landshut“ oder die Geschichte des vorzeitig öffentlich gewordenen Plans der Erstürmung des Flugzeugs werden nur angerissen. Es sollte wohl auch noch für Knopps Geschichtsmagazin „History“ etwas abfallen, das im Oktober diese losen Enden aufnehmen will. Eine elegante Lösung ist das nicht gerade.

„Das Wunder von Mogadischu“, ZDF, 20 Uhr 15

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