Medien : Dominic Raacke im Gespräch: "Bratkartoffel-Verhältnis"

Herr Raacke[nach sechs "Tatorten" sind Sie nun wi]

Herr Raacke, nach sechs "Tatorten" sind Sie nun wieder in einer anderen Rolle zu sehen.

Ja, und deshalb lag mir "Love Trip" auch sehr am Herzen. Mit meiner "Tatort"-Rolle bediene ich ein ganz bestimmtes Image. Das ist wie ein Kleine-Jungs-Traum, der Hero, der hartgesottene Polizist. Als Schauspieler will ich natürlich hin und wieder etwas anderes zeigen. In "Love Trip" konnte ich viel unsouveräner, weicher, offener spielen.

Es geht um die Ausbruchsversuche zweier Eheleute, deren Frust im Satz Ihrer Filmpartnerin Désirée Nosbusch kulminiert: "Du siehst mich nur noch als Freundin, nicht mehr als Frau ... "

Ja, das ist die große Gefahr. Ich nenne das Bratkartoffel-Verhältnis. Wenn man wie Bruder und Schwester wird, wenn man sich kumpelhaft gut versteht. Wobei das auch toll ist, wenn man nicht ständig unter dem Stress steht, zu kontrollieren, wie man aussieht und wie man wirkt. Das ist ja etwas, was Freundschaft im Allgemeinen ausmacht. Aber es gibt die Gefahr, dass das verroht, dass die Aufmerksamkeit und die Hochachtung voreinander verlorengehen.

Sie selbst sind seit einem Jahr verheiratet. Macht man sich bereits als junger Ehemann Gedanken, wie die öde Routine in einer Beziehung zu vermeiden ist?

Ich glaube dazu muss nicht, wie das Paar im Film, 20 Jahre zusammen sein. Das Verglühen des ersten Feuers passiert doch bereits nach ein paar Monaten. Wenn man die erste, ganz frische Verliebtheit hinter sich hat. Insofern kann ich das nachvollziehen. Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen, aus dem Üblichen ausbrechen zu wollen.

Sie sind Vater einer neunjährigen Tochter aus einer gescheiterten Beziehung. Sind sie eher für Abwechslung oder Monogamie?

Grundsätzlich bin ich schon ein treuer und beständiger Typ. Aus meiner bisherigen Erfahrung müsste ich sagen, das kann nichts werden. Und trotzdem versuche ich es wieder. Ich glaube, dieses Familiengefühl ist eigentlich in jedem drin. Ich komme zwar auch aus einer zerrütteten Familie, aber familiäre Zusammengehörigkeit war für mich immer mit einem Glücksgefühl verbunden. Nur gehören viele Zutaten dazu, auf eine lange Strecke zusammenzubleiben.

Zum Beispiel?

Man muss sich guttun, sich gegenseitig etwas geben, was einen anspornt. Man muss aber auch Konflikte zulassen können. Es geht mir nicht darum, alles immer schön und romantisch zu bewahren. Streiten gehört dazu und ist für mich Teil des Vergnügens. Und ich halte es für ganz wichtig, dass man auch noch ein Leben außerhalb der Beziehung lebt.

Am 25. März sind sie wieder im "Tatort" zu sehen - mit Boris Aljinovic. Ihr alter Partner Stefan Jürgens hat das Handtuch geworfen, weil er das Arbeitspensum für überzogen hielt. Hat der SFB jetzt die Bremse gezogen?

Ja, das war wirklich zuviel, und ich selbst war auch kurz davor ... Aber durch die Pause und auch "Love Trip" konnte ich mich wieder erholen, und habe wieder richtig Lust auf meine Cowboystiefel. Das Pensum aus dem letzten Jahr wollen wir nicht mehr fahren. Wir wollen uns auf drei "Tatorte" pro Jahr einpendeln.

Mehr Raum also für Projekte nebenbei?

Ja, das hoffe ich doch sehr. Wir drehen jetzt bis Ostern und dann wieder ab Herbst. Dazwischen liegt also ein ordentlicher Brocken Zeit, der sich für anderes nutzen lässt.

Beispielsweise die lange geplante Drehbucharbeit mit Ralph Hütter?

Ich glaube, ich gebe es langsam auf, das anzukündigen. Ich habe mir das geradezu zur Neurose gemacht.

Immerhin sind Sie momentan schauspielerisch sehr gefragt.

Die Verlockung ist natürlich riesengroß in diesem Geschäft, zu drehen, zu drehen, zu drehen. Da ist es sozusagen risky business, die Bremse anzuziehen. Ich wünsche mir, dass ich auch das Schreiben wieder schaffe, aber versprechen kann ich das momentan nicht.

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