Medien : Domino und Kreisklasse

Ulli Potofski ist der Fernseh-Mann für Kuriositäten

Ingo Wolff

Es gibt wenige, die von Herzen sagen können: „Wenn Dominosteine umfallen, macht mir das Spaß.“ Noch weniger können mit dieser destruktiven Beschäftigung ihr Leben bestreiten. Aber nur einer kann über einstürzende Dominobauten so viele Worte verlieren wie Ulli Potofski, das bewies er vor ein paar Wochen bei der Show „Domino Day“ auf RTL. Als berühmtester Lockenkopf im deutschen Fernsehen hat er dem Fußball vor 16 Jahren ein neues Gesicht gegeben. Damals hatte RTL die Bundesligarechte gekauft und mit „Anpfiff“ die altehrwürdige „Sportschau“ in einen langen Dornröschenschlaf geschickt.

Längst hat RTL, bei dem Potofski bis 1992 Sportchef war und weiterhin angestellt ist, kein Fußball mehr im Programm. Deswegen befindet sich Potofski auf Abwegen. „Den Freiraum habe ich mir erarbeitet“, sagt Potofski. „Ich habe 458 Tage am Stück bei RTL gearbeitet.“ Jetzt steht bei der Arbeit die Freizeit im Vordergrund, und das sind neben Domino vor allem schnelle Pferde und Fußballspiele. Nach dem ersten deutschen Fußball-Fanmagazin „Auf Schalke“ wagt sich der 52-Jährige beim Sportsender DSF erneut auf ungewohntes Terrain. Seit drei Wochen probiert Potofski bei DSF Fernsehen von unten aus: „Kreisklasse“ – eine Show um den Amateurfußball. Für Potofski kein sportlicher Abstieg. „Ich komme ja daher. Ich komme aus einer Region, wo Fußball alles bestimmt.“

Potofski ist in Gelsenkirchen zwischen Fußballarena, Trabrenn- und Galopprennbahn aufgewachsen. „Ich habe als Junge meine Zeit nur auf dem Platz verbracht und einige behaupten, man merkt das heute noch“, sagt der Schalke-Fan.

Für ihn ist das eine Reise zurück zu seinen Wurzeln. Die ersten Quoten sind gut. „400 000 haben uns eingeschaltet. Das haben wir uns erhofft“, sagt Potofski. Die Zuschauer freuen sich vor allem über Kuriositäten: „Ich war auf einem Fußballspiel, da hat der Schiedsrichter seinen Linienrichter ausgewechselt.“

Doch nicht nur auf DSF ist das Gesicht inzwischen bekannter als auf RTL. Seit kurzem ist er zudem Inhaltechef bei Raze TV, beim ersten deutschen Sender, der nur Pferderennen überträgt. „Ich sehe das als Unterstützungsmaßnahme für den Galoppsport.“

Die Pferde sind ja auch schuld an seinem ungewöhnlichen Lebenslauf. Als 15-Jähriger nahm er sein Lehrgeld und gewann auf der Rennbahn eine Dreierwette. Mit dem Geld kaufte er sich ein Tonbandgerät, mit dem er heimlich Radio spielte. Nach seiner Ausbildung zum Koch tauschte er Herd gegen Mikrofon ein und landete über das Radio beim Fernsehen. Inzwischen besitzt er selbst ein Rennpferd: den Wallach Askant.

Dennoch ist seine Meinung bei RTL noch immer gefragt, und die ist nicht bequem. „Ich bin dem Programm gegenüber sehr kritisch eingestellt, und das ist bei RTL schon ungewöhnlich.“ Doch gerade deswegen werde er vom Programmchef angerufen und nimmt an den Konferenzen teil. „Ich trage nicht die Verantwortung, da kann man immer klug daherschwätzen.“

„Kreisklasse“: 20 Uhr 15, DSF

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