Donald Trump und die Medien : Auf dem Kriegspfad

Donald Trump will die Presse aus dem Weißen Haus werfen, die Arbeitsbedingungen dort seien allzu beengt – und erntet Protest.

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Ein kleiner Raum in Amerika: Der Ort der Pressebegegnung im Weißen Haus hat nur sieben Reihen mit jeweils sieben Klappsitzen.
Ein kleiner Raum in Amerika: Der Ort der Pressebegegnung im Weißen Haus hat nur sieben Reihen mit jeweils sieben Klappsitzen.Foto: REUTERS

Der Raum im Weißen Haus hat bescheidene Maße, aber er gehört zu den wichtigsten Schauplätzen für die politischen Nachrichten eines Tages. Hier kann man der Weltmacht Amerika täglich den Puls fühlen. Und hier legt der Präsident, meist vertreten durch seinen Sprecher, Rechenschaft ab vor den Bürgern. Das geschieht auf dem Umweg über die White-House- Korrespondenten.

Sie verstehen sich als Sprachrohr der Öffentlichkeit. Der Briefing Room mit seinen sieben Reihen à sieben Klappsitzen und die Miniboxen mit den Schreibtischen der Korrespondenten im Korridor dahinter liegen nur wenige Meter entfernt vom Oval Office.

Ist diese Nähe zwingend? Ist das Press Corps, das den Präsidenten auf Schritt und Tritt begleitet, heute noch das zeitgemäße Medium, über das er mit den Bürgern kommuniziert? Geht das nicht auch über soziale Netzwerke und via Twitter?

Seit Tagen geistert diese „Breaking News“ durch den traditionsreichen Briefing Room: Es könnte ihn bald nicht mehr geben. Donald Trumps Sprecher Sean Spicer spielt öffentlich mit dem Gedanken, die Journalisten aus dem Weißen Haus zu vertreiben. Die Arbeitsbedingungen dort seien allzu beengt, es müsse mehr Platz her, das gehe nur außerhalb des West Wings, dem seitlichen Anbau im Souterrain des Weißen Hauses, der die eigentliche Machtzentrale bildet.

Das hat den Zorn vieler Journalisten explodieren lassen. Das Verhältnis des künftigen Präsidenten zu ihnen ist ohnehin gespannt. Nun schwirrt ein „Offener Brief“ des Protests herum. Er liest sich wie das Manifest eines geschlossen auftretenden US-Press-Corps und als kollektive Drohung. Zwar stimmt das nicht so ganz.

Nur ein Autor steht mit Namen dafür ein: Kyle Pope, Chefredakteur der „Columbia Journalism Review“, der Fachzeitschrift der Fakultät für Journalistenausbildung an der Columbia-Universität in New York. Es fehlt eine Unterschriftensammlung oder ein anderer Beleg für die Interpretation, dies sei ein Prinzipienkatalog im Namen des gesamten Pressekorps.

Aber es ist ein glänzend geschriebener Verhaltenskodex über den Umgang unabhängiger Medien mit der Regierungsmacht in einer Demokratie. Der Offene Brief spiegelt die Gefühle und das Berufsethos vieler Mitglieder des selbst verwalteten White House Press Corps. Der Präsident bestimme seinen Umgang mit den Medien, gesteht der Brief zu.

Es gebe keinen Anspruch der Journalisten auf Zugang zum Weißen Haus, zum Präsidenten und seinen Mitarbeitern; davon sei weder in der Verfassung noch in Gesetzen die Rede. Umgekehrt sei aber das Recht auf freie Berichterstattung und unabhängiges Kommentieren des Regierungshandelns geschützt.

Der Brief spart nicht an Selbstkritik

Pope listet fragwürdige Verhaltensweisen Trumps gegenüber Reportern auf. Und droht: Wenn der künftige Präsident versuche, missliebige Journalisten auszuschließen, oder ihnen das Fragerecht verweigere – dann werde er auf den solidarischen Widerstand des Pressekorps stoßen und die Journalisten umso mehr motivieren, die Fakten herauszufinden, die er vertuschen wolle.

Der Brief spart nicht an Selbstkritik: Die Medien haben an Vertrauen bei den Bürgern verloren und selbst dazu beigetragen. „Wir müssen dieses Vertrauen wieder erlangen. Und wir werden das tun mit präziser, furchtloser Berichterstattung. Wir werden unsere Fehler eingestehen.“

Erneut drängt sich der Kontrast in Stil und Umgang zum (Ex-)Präsidenten Barack Obama auf. Der verabschiedete sich in diesem denkwürdigen Raum mit respektvollen und fast liebevollen Worten vom White House Press Corps. Dessen Mitglieder zeigten umgekehrt ihren Respekt vor diesem Präsidenten und seinem Verständnis der Rolle der Medien.

Der Präsident kommt nur selten persönlich – in Obamas Amtszeit alle vier bis sechs Wochen. Er erscheint, wenn er einen besonderen Erfolg persönlich erklären will: ein verabschiedetes Gesetz wie die Gesundheitsreform, gute Wirtschaftszahlen oder die Tötung des Al-QaidaChefs Osama bin Laden. Oder wenn er so sehr in der Kritik steht, dass er sich persönlich den Fragen stellt, um die Stimmung zu wenden.

Gewöhnlich steht sein Pressesprecher am Mikrofon. Und am Ton der Fragen und Antworten lässt sich rasch erkennen, ob sich der mächtigste Mann der Welt und sein Ansehen gerade im Auf- oder im Abstieg bewegen. Auch Obamas Verhältnis zu den Journalisten war zeitweise angespannt. Jene US-Medien, die sich rechts der Mitte verorten lassen, haben ihn fast durchgängig attackiert. Aber das geschah überwiegend in einer Atmosphäre gegenseitigen Respekts. Trump hat hingegen den Kriegspfad gewählt.

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