Donna Leon : Italiens dunkle Vergangenheit

Kommissar Brunetti und der Bibliothekar.

Endlich mal keine Rollpullis, kein trübes Nieselwetter, kein Volvo. Dafür Sonne satt, viele Gondeln und Venedig als heitere Alternative zu Kiel. Und auf dem besten Weg zum Mörder ist Axel Milberg auch noch in Donna Leons „Die dunkle Stunde der Serenissima“. Als Kieler Kommissar Klaus Borowski ist er einer der markantesten „Tatort“-Ermittler, hier wird er zum habgierigen, leicht faschistoiden Bibliothekar Maxwell Ford, der mit denselben Mitteln wie Borowski an sein Ziel kommt. Stoisch, ein bisschen arrogant und ungemein subtil versucht er an verschollene Bilder eines verstorbenen Offiziers zu kommen. Der wurde nach dem Krieg verurteilt, weil er die Bilder von Juden erpresst haben soll. Commissario Brunetti ahnt von seiner Reise in die dunkle Vergangenheit Italiens natürlich noch nichts, als er von Claudia Leonardo (Rike Schmid), einer Studentin von Brunettis Frau Paola (Julia Jäger), angesprochen und um Rat gebeten wird. Doch sie erscheint am nächsten Tag nicht wie vereinbart im Kommissariat. Stattdessen findet Brunetti sie erstochen in ihrer Wohnung.

Es beginnt ein recht leicht durchschaubarer Krimi, der sich einem in Italien immer noch tabuisierten Thema annimmt: der eigenen, faschistischen Vergangenheit. Leider löst sich der Film nur selten von dem Fall. Das gesellschaftliche Umfeld, die Tragweite des Tabus wird selten deutlich. Brunetti agiert wie immer lässig. In Nebenrollen tauchen noch Hannah Herzsprung auf und Bettina Zimmermann, die für diese Folge Brunetti als Kommissarin an die Seite gestellt wird – mit einer Vorliebe für fernöstliche Ermittlungsmethoden. Der wirkliche Höhepunkt ist aber das Duo Axel Milberg/Katrin Sass. Sie spielt Eleonora, die Frau von Bibliothekar Ford. Sie brilliert als verzweifelte und von allen nur benutzte Frau. Er als durchtriebener Bibliothekar. Und das alles ohne Kieler Nieselregen.

„Donna Leon“, 20 Uhr 15, ARD

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