Medien : Doping und TV: Neue Beichten, alte Linie

ARD und ZDF wollen trotz der jüngsten Doping-Beichten von Radprofi Erik Zabel und Ex-Fahrer Ralf Aldag am Donnerstag zunächst an der Übertragung von Radrennen festhalten. Aus der Politik waren Forderungen nach einem TV-Boykott laut geworden. Das Erste werde die weitere Entwicklung genau verfolgen und seine Haltung regelmäßig überprüfen, sagte ARD-Sprecher Peter Meyer. Auch das ZDF werde weiter genau schauen, wie der Aufklärungsprozess weitergehe. „Wir sehen aber keinen Anlass zu sagen, wir übertragen die Tour de France nicht“, sagte ZDF-Sprecher Alexander Stock. Sein Sender begrüße die Offenheit, die sich jetzt eingestellt habe. Die ARD äußerte sich ähnlich. „Dass es immer mehr sind, die sich outen, sehen wir positiv“, sagte Meyer. Doping sei aber nicht nur ein Problem des T-Mobile-Vorgängers Team Telekom und der Sportler. Auch die Verantwortlichen in den Rennställen und die Veranstalter müssten sich fragen lassen, warum sie die Entwicklung nicht gestoppt haben. Meyer sagte zudem, es sei falsch gewesen, dass die ARD von 1998 bis 2004 Sponsor des Teams Telekom gewesen sei: „Es war ein Fehler, zu Zeiten des einzigen deutschen Profiteams eine Nähe zu pflegen, die möglicherweise den einen oder anderen kritischen Ansatz nicht so hat in Erscheinung treten lassen, wie es notwendig gewesen wäre“.

Das Doping-Geständnis von Ex-Radprofi Bert Dietz in der ARD-Sendung „Beckmann“, das die Outing-Welle mit ausgelöst hat, wird vorerst nicht mehr im Fernsehen gezeigt. Der verantwortliche NDR habe mit Dietz vereinbart, die Folge nicht bei 3sat zu wiederholen – geplant war sie heute 10 Uhr 15 – und die Sendung nicht ins Internet zu stellen, teilte der NDR mit. Sprecher Martin Gartzke sagte, „der Verzicht auf die Wiederholung war eine Bedingung des Gastes.“

Einige Äußerungen Dietz' in dem Interview wurden mit einem „Piepston“ unterlegt. Das sei geschehen, „um den Gast vor möglichen strafrechtlichen Konsequenzen zu bewahren und um möglichen äußerungsrechtlichen Ansprüchen vorzubeugen“, sagte der Sprecher dem epd. Der NDR habe das in Absprache mit allen Beteiligten veranlasst. Da die Sendung erst kurz vor der Ausstrahlung aufgezeichnet worden sei, habe es keine andere technische Möglichkeit gegeben. jbh

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