Doppel-Porträt. : Eugen Ruge oder wie eine Familiengeschichte zum Bestseller wird

von
Foto: Arte
Foto: ArteFoto: © rbb

Es kommt selten vor, dass die Titel von filmischen Autorenporträts diese insgesamt auf den Punkt bringen. Jener von Arpad Bondys Film über Eugen Ruge jedoch beschreibt perfekt die Handlung: „Eugen Ruge. Eine Familiengeschichte wird zum Bestseller“ ist tatsächlich weniger Schriftstellerporträt als vielmehr ein Film über die Entstehung eines Buches: Wie es bestimmte Produktionsschritte durchläuft, wie es vom Verlag, später von den Medien „gemacht“ wird, bestenfalls zu einem Bestseller.

Vermutlich hatte Arpad Bondy anderes im Sinn, als er 2009 erstmals mit Ruge Kontakt aufnahm, nachdem dieser für einige Kapitel aus seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ den Döblin-Preis bekommen hatte. Vielleicht wirklich einen Film über eine genauso exemplarische wie herausragende DDR-Familie und deren Geschichte, die Ruge dann ja geschrieben hat. Man sieht den Autor also nicht nur am Computer sitzen und erklären, dass er seine Sätze immer vor sich hinsagt, damit der Rhythmus stimmt. Sondern Bondy fährt mit Ruge in die Kaserne im Harz, wo er 1973 als NVA-Soldat stationiert war. Oder in die Stadt von Ruges Kindheit, nach Potsdam-Babelsberg.

Nach dem Döblin-Preis aber begann das Bieten um das Romanmanuskript. Als er den Zuschlag erhalten hatte, beschloss Rowohlt-Verleger Alexander Fest, in das Buch zu investieren, es zum Spitzentitel zu machen. Nun erzählt Fest von den Verhandlungen mit Ruge in einem Café in Prenzlauer Berg. Bondy ist dabei, wie Fest und Ruges Lektorin den Autor und dessen Frau auf Rügen besuchen (es gibt Dorsch, überhaupt ist hier alles ein einziges Idyll). Und Bondy schaut den Umschlagdesignern über die Schulter, verfolgt die Vertreterversammlung, filmt die Rowohlt-Presseabteilungsleiterin bei der Arbeit. Und er ist in Frankfurt am Main, als Ruge den Deutschen Buchpreis zugesprochen kommt und auf der Buchmesse ein noch gefragterer Gesprächspartner wird als ohnehin schon.

Das Eindrücklichste dieses sehenswerten Films ist vielleicht, wie Alexander Fest und zwei weitere Rowohlt-Mitarbeiter unabhängig voneinander von einem „Lebensbuch“ sprechen, von einem Buch, das ein Schriftsteller nur einmal im Leben schreibt. Das sollte Ruge zu denken geben, vermutlich weiß er es selbst. Das Schreiben wird für ihn in Zukunft nicht leichter. Die 300 000 bis 400 000 Exemplare, die der Verlag bis Weihnachten verkauft zu haben hofft, wecken auch Bedürfnisse. Der so plötzlich zum Erfolgsautor gewordene Theaterstückschreiber Eugen Ruge muss nachlegen, mit einem weiteren Roman, mit Erzählungen. Und wie diese Geschichte weitergeht, wäre einen weiteren Film wert.Gerrit Bartels

„Eugen Ruge. Eine Familiengeschichte wird zum Bestseller“. Arte, 22 Uhr 40

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben