Medien : Doppelt spart besser

Warum ARD und ZDF so gerne parallel übertragen und Kai Gniffke neuer „Tagesschau“-Chef wird

Joachim Huber

Am vergangenen Freitag haben ARD und ZDF die Totenmesse für Johannes Paul II. parallel übertragen. Es wird nur wenige geben, die dabei höchst unterschiedliche Fernsehstunden erlebt haben. Aber so lange der ARD-Programmdirektor Günter Struve unter diesen wenigen weilt, reicht das wohl. Struve sagte am Mittwoch, nach einer Sitzung der ARD-Intendanten in Frankfurt am Main, die Parallel- Übertragung der Papst-Trauerfeier habe die „unterschiedlichen journalistischen Ansätze“ von ARD und ZDF gezeigt. Das ZDF habe stärker auf Bilder, die ARD mehr auf Hintergrund gesetzt. Die ARD habe auch die liturgischen Gesänge übersetzt.

Was Struve nicht erwähnt: Das Eigentliche, die Fernsehbilder der Totenmesse nämlich, war identisch im Ersten und im Zweiten, denn das Material stammte vom italienischen Fernsehen RAI. Derartige (und wesentliche) Parallelitäten fechten Struve nicht an: „Ich denke schon, dass jeder seine eigene journalistische Duftmarke setzen sollte.“ Bereits an diesem Freitag werden neue Duftmarken gesetzt: ARD und ZDF übertragen beide und parallel das Begräbnis von Fürst Rainier in Monaco. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ist deswegen schon bei der ARD vorstellig geworden, er hat an den Verzicht seines Senders auf die Charlesund-Camilla-Hochzeit erinnert und die ARD zur Koordination ermahnt. Aber übertragen wird das Rainier-Begräbnis im Zweiten, klar.Proteste aus der Medienpolitik, dass ARD und ZDF jeweils Gebührengelder für ein und dasselbe zweitrangige Ereignis ausgeben, werden in Kauf genommen.

Günter Struve hat nachgerechnet: Durch die Parallel-Übertragungen entstünden keine Mehrkosten, da solche Sendungen billiger seien als die meisten Wiederholungen. Das ist eine so gute Nachricht, dass das Erste und das Zweite herausgefordert sein sollten, viel mehr dieser Parallel-Übertragungen zu veranstalten. Dann wird ja auch doppelt gespart: Bei der öffentlich-rechtlichen ARD und beim öffentlich-rechtlichen ZDF. Wer will da noch etwas gegen Doppel- und Dreifach-Übertragungen einwenden?

Überhaupt, die Gebührenerhöhung zum 1. April scheint das öffentlich-rechtliche System doch nicht in die Armut getrieben zu haben. Das ZDF meckert gar nicht mehr über angeblich zu geringfügige Erhöhung, und die ARD hat die Entscheidung über den angedrohten Gang vors Bundesverfassungsgericht erneut – und jetzt auf Juni – verschoben.

Was die ARD-Intendanten tatsächlich beschlossen haben, sind Personalien: Kai Gniffke übernimmt am 1. Januar 2006 die Leitung der für „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ zuständigen Redaktion „ARD-aktuell“ in Hamburg. Gniffke ist seit 2003 stellvertretender Chefredakteur von „ARD-aktuell“. Als erster Chefredakteur arbeitet noch bis Jahresende Bernhard Wabnitz, der 2006 die Leitung des ARD-Studios in Rom übernehmen soll. Zweiter Chefredakteur in Hamburg wird Thomas Hinrichs, der zurzeit das „Mittagsmagazin“ der ARD in München leitet. Beide, Hinrichs und Gniffke, werden dann auch an der Vorverlegung der „Tagesthemen“ beteiligt sein, die frühestens 2006 bereits um 22 Uhr 15 starten sollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar