Medien : Dozent und Nickmännchen

Matthias Kalle

Harald Schmidt bei Beckmann. ARD. Es waren die großen Themen, alles andere wäre auch eine Sensation gewesen: Deutschland, Politik, Glauben, Vaterschaft, Krankheit, Tod – darüber redete Harald Schmidt bei Reinhold Beckmann am Montagabend in der ARD. Aber wie in letzter Zeit üblich in dieser Talkshow dozierte der Gast, also Schmidt, und der Gastgeber, also Beckmann, diente als Stichwortgeber und nickte die Antworten ab. Manchmal während der Sendung neigte Beckmann zum Dramatisieren („Ich sehe große Zeiten auf uns zu kommen.“), weil er die Ironie nicht beherrscht und keine Distanz einhält, aber das ist kein Vorwurf. Denn schließlich ist Beckmann die Nummer eins im People-Talk-Fernsehen, er hat bessere Quoten als die Konkurrenz und mitunter die interessanteren Gäste, da macht es nichts, dass die Gesprächsführung des gelernten Sportmoderators an das Kommentieren eines Fußballspiels erinnert: „Nein! Doch! Ahhh!“

Schmidt war das egal – weil es ihm egal ist, wer da fragt und was gefragt wird. Schmidt setzt sich hin und redet, meistens reicht das schon. Einmal hat es nicht gereicht, vor Jahren in einem Gespräch mit Günter Gaus, da kneteten Schmidts Hände die Armlehnen. In einem Interview sagte Schmidt über diesen Auftritt: „Ich war wahnsinnig erpicht darauf, von ihm interviewt zu werden, und wollte sozusagen für die Ewigkeit demonstrieren, wie intelligent ich bin."

Bei Beckmann wollte Schmidt unterhalten und selbst in den Momenten, in denen es privat hätte werden können, baute Schmidt vor sich eine Mauer auf – über den „Menschen Schmidt“ erfuhr man nichts, will man auch nichts erfahren, weil es die Medienfigur Harald Schmidt ist, die fasziniert.

Was erfuhr man von der? Dass Clinton, Kohl und Beckenbauer seine Idole sind, weil sie vorbildhaft mit Problemen umgehen – indem sie sie ignorieren. Schmidt sagt, er sei begeistert von Deutschland, dass er „richtig gern“ Steuern zahle und Angela Merkel unterschätzt werde. Zu Andrea Nahles fällt ihm ein, dass man so einer früher auf dem Schulhof aus dem Weg gegangen ist. Schmidt analysiert. Er sagt, dass die wahren Stars aus der Politik kommen, nicht aus dem Showgeschäft und Beckmann tut so, als höre er das zum ersten Mal. Er will von Schmidt die Welt erklärt bekommen, und Schmidt lässt sich darauf ein. Er erklärt dem Gastgeber den katholischen Glauben, seinen Glauben, den Zynismus von Wohltätigkeits-Galas und warum wir bei der Fußball WM grauenhafte Comedy-Shows haben werden. Über seine eigene Beerdigung sagt Schmidt, dass keiner reden darf, dafür wird Bach gespielt. Eine Sache ist ihm nicht klar: „Wer trägt den Sarg?“ Zu Beckmann sagte er: „Möchtest du, dass Monica Lierhaus deinen Sarg trägt?"

Beckmann antwortete nicht darauf, er antwortet nie, er stellt die Fragen. Zwei hätten wir aber auch noch: Warum war die Sendung so schlecht geschnitten? Und was ist das für ein rosa Bändchen, das Reinhold Beckmann am rechten Handgelenk trug? Kam er erst kurz vor der Aufzeichnung aus der Disco?

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