Drama : Landfrust

Ein gutes Stück Wahrheit: Im ARD-Film „Holger sacht nix“ streiten sich Alt und Jung um einen Bauernhof.

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Mit Herz und Hektar. Enkel Theo (Sam Gerst, l.) will seinen Großvater Holger Thiessen (Tilo Prückner) dazu bringen, sich wieder mit seiner Familie zu vertragen. Doch der will nicht akzeptieren, dass künftig alles bio sein soll.Foto: WDR
Mit Herz und Hektar. Enkel Theo (Sam Gerst, l.) will seinen Großvater Holger Thiessen (Tilo Prückner) dazu bringen, sich wieder...Foto: WDR/Tom Trambow

Der Generationenkonflikt ist ein Dauerbrenner. Aber seine Randbedingungen ändern sich ununterbrochen, so dass das Thema spannend bleibt. Und wenn es dann noch um drei Generationen geht und ein Stadt-Land-Konflikt hinzukommt, hat man ein fruchtbares dramatisches Feld, auf dem sich säen und ernten lässt.

Der Film „Holger sacht nix“, der am Mittwochabend im Ersten läuft, spielt auf dem Land. Also unter Verlierern, oder? Abwarten.

Die Familie Thiessen hatte einen schönen Hof – mit viel Hektar und Schafen und Bäumen und Fachwerkhaus. Aber als Holger (Tilo Prückner) es mit dem Rücken kriegte, übernahm – nein, nicht die Tochter, sondern deren (bald schon) Exverlobter Nico den landwirtschaftlichen Betrieb. Der Alt-Bauer zog samt Frau Lilo (Carmen-Maja Antoni) in einen Neubau mit Zentralheizung. Tochter Olga (Julia-Maria Köhler) hatte sich einst vom Landleben losgesagt, sie reizten die urbane Atmosphäre und die Schauspielerei. Als der Film beginnt, ist dieser Traum geplatzt. Mit dem neunjährigen Sohn Theo (Sam Gerst) steht die Gescheiterte vor dem Familienanwesen, muss erfahren, dass es damit nun vorbei ist und verkriecht sich betrübt bei den Eltern im Neubau.

Den verlässt Vater Holger jeden Morgen, um auf dem Hof, der ihm gar nicht mehr gehört und von dem sein notorisch schlecht gelaunter Nachfolger ihn regelmäßig vertreibt, nach dem Rechten zu sehen. Holger spürt, dass Nico überfordert ist, er riecht es regelrecht, aber was soll er machen? Seine Lilo zu Hause quatscht zu viel, und auf die Tochter ist er immer noch sauer, weil sie damals den Hof nicht wollte. Aber da ist ja noch der Junge. Die Enkelgeneration, so die hoffnungsvolle, wenn auch nicht sehr realistische Aussage dieses Films, hat es wieder mit Schafen und Vögeln, mit Wald und Feld – wenn auch auf neue Art: bitte alles bio!

Drehbuchautorin Katja Kittendorf und Regisseur Thomas Durchschlag drehten mit ihren Stars Prückner, Antoni und Köhler einen kleinen, sympathischen Film, der große, unsympathische Probleme umspielt: die Landflucht, die Geschäftemacherei mit Grund und Boden und Tierzucht, die Perspektivlosigkeit der jungen und die Ausgrenzung der alten Leute. Im Mittelpunkt aber stehen die Charakterstudien: der enttäuschte alte Landwirt, der das Maul nicht aufkriegt und sich lieber mit seiner gesamten Familie überwirft als sich einmal aufzuraffen und reinen Tisch zu machen; Quasselstrippe Lilo, die ins Leben ihrer Lieben ständig reinregiert, bis ihr alle davonlaufen; Olga, die Hübsche, die mal groß rauskommen wollte und nun lernt, dass man auch dabei klein anfangen muss. Die Saat ist aufgegangen, die kleine bescheidene Komödie sprießt.

Theo, das Enkelkind, hat den klassischen Kinderpart: er sorgt für den Zusammenhalt der Familie. Der kleine Landmensch und künftige Bauer gewinnt nach vielen vergeblichen Anläufen das Herz des Opas. Das der Oma besitzt er eh. Und die Mama ist manchmal eine schwierige Partnerin, aber sie ist die Mama. Als der Kleine endlich den Opa dazu gebracht hat, das Maul aufzumachen und mit ihm zu reden, sagt Theo so nach Kinderart zu Holger, er fände nichts so schön, als wenn die ganze Familie vereint sei. „Is aber nicht immer so, wie's am schönsten ist“, antwortet Holger. Das ist einer der wenigen Sätze, die der hartnäckige Schweiger im Film überhaupt spricht, und es steckt, auf die Familie bezogen, ein gutes Stück Wahrheit drin.

„Holger sacht nix“, ARD, 20 Uhr 15

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