Dreharbeiten in Berlin : Sky will den Serienmarkt aufmischen

Sky will mit teuren Eigenproduktionen sein Entertainment-Angebot ausbauen. Damit reagiert der Sender auch auf die starke Konkurrenz beim Fußball.

In „Acht Tage“ sucht Physiklehrer Uli (Mark Waschke) mit Tochter Leonie (Lena Klenke) im Bunker unter Berlin Zuflucht.
In „Acht Tage“ sucht Physiklehrer Uli (Mark Waschke) mit Tochter Leonie (Lena Klenke) im Bunker unter Berlin Zuflucht.Foto: Stephan Rabold/Neuesuper

Im Velodrom in Prenzlauer Berg herrscht Endzeitstimmung. Unter den Augen von schwer bewaffneten Soldaten werden Kisten mit Lebensmitteln, Saatgut und Bienen mit Traktoren in die Kelleranlagen gebracht. „Alles für den Wiederaufbau“, sagt ein Mann im Blaumann. In wenigen Tagen soll ein 60 Kilometer großer Meteor in Europa einschlagen, Berlin wird es dann nicht mehr geben. Der Bunker unterm Velodrom soll zumindest ein paar Menschenleben retten.

Das Szenario der Sky-Serie „Acht Tage“, die im Herbst 2018 ausgestrahlt werden soll und die seit Monaten in Brandenburg und Berlin gedreht wird, ist bedrückend. Aus der Perspektive einer normalen Familie werden die letzten acht Tage vor dem Meteor-Einschlag erzählt. Ganz Europa ist auf der Flucht, Rettung gibt es aber nur für wenige Privilegierte. Und so muss sich jede Person fragen, wie sie die verbliebene Zeit nutzt.

"Wir wollen zeigen, wie geil Pay-TV ist"

„Wir wollen keinen Katastrophenfilm machen, sondern etwas über unsere Gesellschaft erzählen“, sagt Drehbuchautor und Produzent Rafael Parente bei einem Pressegespräch im Keller des Velodroms. Unter der Radrennbahn und in Räumen des Olympiastadions werden die Bunker-Szenen gedreht. Ob die Menschen darin wirklich geschützt werden, will Parente nicht verraten. „Sollte die Serie erfolgreich sein, können wir sie aber fortsetzen – egal wie die erste Staffel endet.“

Die Bunkerszenen werden im Velodrom und im Olympiastadion gedreht.
Die Bunkerszenen werden im Velodrom und im Olympiastadion gedreht.Foto: Stephan Rabold/Neuesuper

Gut möglich, dass es dazu kommt. Der Pay-TV-Sender Sky investiert viel Geld in das Entertainment-Segment. Am Freitag wird die erste Folge der 20er-Jahre-Serie „Babylon Berlin“ ausgestrahlt, die der Sender in Kooperation mit der ARD entwickelt hat. Mit „Acht Tage“ sowie den Produktionen „Das Boot“ und „Der Pass“ produziert der Bezahlsender nun gleich drei weitere, horizontal erzählte Serien. „Wir wollen zeigen, wie geil Pay-TV sein kann“, sagt Sky-Programmchef Marcus Ammon. Was Sky dafür investiert, sagt Ammon nicht. Nur so viel: „Unser Budget liegt deutlich unter den 40 Millionen von ,Berlin Babylon’, aber deutlich über den üblichen Mitteln für eine ARD- oder ZDF-Serie.“

Auch für Schauspieler sind Serien reizvoll

Von den Öffentlich-Rechtlichen will sich Sky auch inhaltlich absetzen. Man wolle den Künstlern Freiheiten geben und Serien in kein starres Sendeschema verpacken, so Ammon. „Wir wollen etwas wagen“, sagt Ammon. Konkret sollen die Charaktere ambivalenter werden, die Handlungen kontroverser, auch vor expliziten Gewalt- oder Sexszenen will der Sender nicht zurückschrecken. Für „Acht Tage“ rechnet Ammon mit einer FSK 16. „Für uns ist das kein Problem, weil wir durch die Kindersicherung ganztägig FSK-16-Filme zeigen können.“ Im Free-TV ist das nicht möglich. Bei „Babylon Berlin" habe man durch den angekündigten ARD-Sendeplatz um 20 Uhr 15 Kompromisse machen müssen.

Acht Tage bleiben bis zum Einschlag des Meteors. Für den Wiederaufbau werden Saatgut und Bienen in den Bunker gebracht.
Acht Tage bleiben bis zum Einschlag des Meteors. Für den Wiederaufbau werden Saatgut und Bienen in den Bunker gebracht.Foto: Stephan Rabold / Neuesuper

Auch für Schauspieler scheinen die neuen Serien reizvoll zu sein. Mit Mark Waschke, Christiane Paul, Henry Hübchen, Fabian Hinrichs und Lena Klenke ist „Acht Tage“ mit prominenten deutschen Schauspielern besetzt. „Von der Komplexität der Rolle und der Dauer der Drehtage her ist das eine einzigartige Herausforderung“, sagt Mark Waschke, den die Zuschauer als Berliner „Tatort“-Kommissar kennen. Kollegin Christiane Paul („Unterm Radar“) ergänzt: „Es geht uns Schauspielern um die Inhalte.“ Serien seien gerade so spannend wie noch nie, sagt sie und berichtet, wie sie das Drehbuch von „Acht Tage“ verschlungen habe. „Sogar geträumt habe ich davon.“

Amazon, Dazn und Eurosport setzen Sky unter Druck

Bei Sky träumt man nicht, hofft aber, dass die Zuschauer das neue Serienangebot annehmen. Entertainment-Chef Ammon will nicht weniger als einen Imagewechsel des Bezahlsenders: „Sky wird von vielen noch immer als reiner Sportsender wahrgenommen.“ Doch nicht zuletzt wegen der finanzstarken Konkurrenz beim Bieten um die Übertragungsrechte – zuletzt verlor Sky die Rechte der Europa League für drei Jahre an den Internet-Streamingdienst Dazn – will Sky seinen Entertainment-Sektor ausbauen.

Das erscheint notwendig, denn nicht nur Dazn macht Sky die Fußball-Übertragungsrechte streitig. Seit dieser Bundesligasaison läuft auf Eurosport exklusiv das Freitagsspiel, und der Internet-Streaming-Dienst Amazon darf alle Spiele als Audio-Übertragung via Internet ausstrahlen. Mit „You are wanted“ hat Amazon außerdem bereits die erste teuer produzierte deutsche Serie ausgestrahlt. „Da wurde aber vor allem auf die Prominenz geachtet“, sagt Marcus Ammon mit Blick auf Matthias Schweighöfer, der die Serie sowohl produziert als auch die Hauptrolle spielte und Regie geführt hat. „Wir setzen mehr auf Inhalte“, sagt Ammon.

Selbst wenn „Babylon Berlin“ für Sky nicht den gewünschten Schwung bringen sollte, ist Ammon von der Strategie überzeugt. „Wenn die erste Serie nicht funktioniert, dann klappt es eben mit der zweiten oder dritten.“ Scheitern wäre für Sky vorerst kein Weltuntergang.

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