Medien : Drei Haselnüsse, acht Frauen und die Wilde 13

Spielfilme, Dokumentationen, Puppentheater, Märchen und Karaoke – ein Fernseh-Guide durch die Weihnachtsfeiertage

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Für jedermann

„Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“ Diesen Satz sollte man sich zum Fest schon gönnen. Aber „Weihnachten bei Hoppenstedts“ (24.12., ARD, 22 Uhr 15) hat noch viel mehr zu bieten. Richtig stimmungsvoll wird es, sobald Opa Hoppenstedt das Miniatur-Atomkraftwerk aufbaut. Wenn man sich an den Feiertagen für 25 Minuten Fernsehunterhaltung entscheiden muss, dann für diese.

Für Panzerknacker

Die Kinder wollen nicht mehr aufs Christkind warten, man muss sie ablenken und unterhalten. Um sechs Uhr morgens ist man dafür möglicherweise noch zu müde, deswegen schickt der NDR Egon, Kjeld und Benny ins Rennen, mit dem unsterblichen Klassiker „Die Olsen-Bande sieht rot“ (24.12., NDR, 6 Uhr) . Auf dem Höhepunkt des Films bricht die Olsen-Bande in ihrer wohl besten Szene ins Königliche Theater in Kopenhagen ein – im Takt des dort gespielten klassischen Konzerts, mit Schlagbohrern und Sprengsätzen. Am Ende muss Egon dann aber doch wie immer zurück ins Gefängnis.

Für Skeptiker

Wir alle kennen den Weihnachtsmann – aber kennen wir ihn wirklich? Wo kommt er her? Wo geht er hin? Was hat Coca Cola mit der Sache zu tun? „Superstar in Rot“ (25.12., ZDF, 19 Uhr 30) – das Zweite hat sich auf die Spuren des Phantoms mit der roten Jacke gemacht, um harte Fakten von Gerüchten und Legenden zu trennen. Der Sender verspricht „aufwendige Inszenierungen und Computergrafiken, investigative Recherche und kriminalistische Fahndung“.

Für Musikfans

Nichts ist so festlich wie Karaoke. Und niemand so besinnlich wie Viva-Moderatorin Gülcan. Bei „Gülcans X-Mas Karaoke“ (25.12., Viva, 13 Uhr) singen die Sieger einer deutschlandweiten Tour gegeneinander an, vorm Brandenburger Tor. Auf dem Programm stehen Weihnachtsklassiker wie „Last Christmas“. Und weil das so schön ist, zeigt Viva die Sendung an den Tagen nach Weihnachten gleich noch dreimal.

Für Märchenliebhaber

Der Begriff „Kultfilm“ wird allzu oft strapaziert. Aber ist es etwa kein Kult, wenn sich eine riesige Fangemeinde jedes Jahr auf „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (für Fachleute: „3HfA“) freut, sich auf Motto-Partys wie die Charaktere des Märchenfilms verkleidet und die Dialoge auswendig lernt? Wie populär die Koproduktion – CSSR/DDR – aus dem Jahr 1973 heute noch ist, zeigt sich daran, wie oft sie auch dieses Jahr wieder gesendet wird: Allein der WDR wiederholt den Film mehrmals, dazu eine Dokumentation über die Entstehung von „3HfA“ mit dem Titel „Wenn Märchen wahr werden“. 24.12., WDR, 15 Uhr 50 und 21 Uhr 45, 25.12., ARD, 9 Uhr 05, und RBB, 14 Uhr 05, 26.12., WDR, 10 Uhr 55 (Dokumentation), NDR, 11 Uhr 35, WDR, 11 Uhr 45.

Für Lappen

Wann sendet man einen Film über Rentiere, wenn nicht an Weihnachten? Der Schweizer Dokumentarfilmer Peter Ramseier hat in Finnland das Leben der Samen mit ihren Tieren verfolgt. Dabei musste er im Dorf „Näkkälä “ (24.12., 3sat, 21 Uhr 45) in der Tundra Kälte, Schnee, Schlamm, Milliarden von Mücken und die Schweigsamkeit der Samen bekämpfen. Besonders sein Protagonist Iisakki-Matias Syväjarvi, Enkel des legendären samischen Rentierfürsten Vilkuna Näkkäläjärvi, musste er lange überreden, bis er mitmachte. Herausgekommen ist ein schöner Film mit vielen Rentieren. Und vielen Äs.

Für Romantiker

„Tatsächlich Liebe“ (25.12., RTL, 20 Uhr 15) erzählt neun Liebesgeschichten, die sich in den letzten fünf Wochen vor Weihnachten teilweise berühren oder überschneiden. Liam Neeson ist verliebt in Claudia Schiffer, Billy Bob Thornton spielt den amerikanischen Präsidenten, Hugh Grant den britischen Premierminister, ein Schriftsteller verguckt sich in seine portugiesische Haushälterin, zwei angehende Pornodarsteller kommen sich noch näher. Ein Haufen hanebüchener Episoden, viel Romantik, viel Kitsch, viele Stars, über zwei Stunden lang. Und Heike Makatsch ist auch dabei.

Für Hobbits

Nach drei Tagen Weihnachtsbraten und viel Kuchen darf man sich am zweiten Feiertag abends ruhig auf der Couch zusammenrollen und sich in „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ (26.12., RTL, 20 Uhr 15) von Frodo und Co. dreieinhalb Stunden (inklusive diverser Werbepausen) nach Mittelerde mitnehmen lassen.

Für Frauenfreunde

Ein Haus auf dem Land, ein ermordeter Mann, acht verdächtige Frauen, alle haben ein Motiv. Für das Krimi-Musical „Acht Frauen“ (24.12., Super RTL, 20 Uhr 15) verpflichtete Regisseur François Ozon im Jahr 2001 nur die Elite der französischen Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Emmanuelle Béart. Jede Dame hat ihren eigenen großen Auftritt mit einem Lied. Für die Synchronisation wurden deutsche Stars wie Senta Berger, Hannelore Elsner oder Katja Riemann engagiert. Das Darstellerensemble bekam den Silbernen Bären auf der Berlinale und den Europäischen Filmpreis. Zu Recht.

Für Faustkämpfer

Bei uns hat man sich an Weihnachten lieb, in einem Andendorf in Peru geht man etwas gröber miteinander um. Da regeln die Männer Streitereien um Landbesitz und Eifersuchtsaffären in einem traditionellen Faustkampf. Der Bedarf scheint groß: Mehr als 80 Kämpfe tragen Dorfbewohner an einem einzigen Tag untereinander aus, die Verwandten der Kämpfer feuern ihre Angehörigen an. Arte stellt in der Reportage „WunderWelten. Faustkampf zum Weihnachtsfest“ (26.12., Arte, 13 Uhr 05) zwei der Männer vor, die ihre Familie und deren Ehre mit den Fäusten verteidigen werden. Zur Nachahmung nicht empfohlen.

Für Lummerländer

Da Jim Knopf nachweislich von einem der Heiligen Drei Könige abstammt, ist es nur recht und billig, seine Abenteuer an den Feiertagen auszustrahlen. Leider zu einer sehr unfreundlichen Zeit, nämlich jeweils um 7 Uhr 05, dafür zwei Folgen von „Jim Knopf und die Wilde 13“ (25. und 26.12., ARD, 7 Uhr 05 und 6 Uhr 50) am Stück. Kaum zu glauben, dass die Lummerland-Saga der Augsburger Puppenkiste nur vier Folgen umfasst. Denn auf ihrer Odyssee müssen Lukas und Jim immerhin das Meeresleuchten reparieren, ein Perpetumobil erfinden und die Wilde 13 besiegen.

Für Trucker

Zwei Klassiker des Verfolgungsjagden-Fernsehens, und dann gleich im Doppelpack hintereinander. Burt Reynolds alias „Bandit“ wird von Sheriff Buford T. Justice und dessen trotteligem Sohn Purzel kreuz und quer über die Highways gejagt. Natürlich vergeblich, und natürlich von blöden Sprüchen begleitet. Im ersten Teil „Ein ausgekochtes Schlitzohr “ (26.12., Vox 13 Uhr 05) muss Bandit Bier ausliefern, im zweiten „Ein ausgekochtes Schlitzohr ist wieder auf Achse“ (15 Uhr ) eine Elefantenkuh. Ein bisschen wie Filme mit Bud Spencer und Terence Hill. Aber ohne Prügeleien, dafür mit Corvette.

Für Piloten

Lillebrors Nachbar und bester Freund wohnt auf dem Dach und kann fliegen. „Karlsson auf dem Dach“ (25.12., Kinderkanal, 15 Uhr 50) ist eine von Astrid Lindgrens schönsten Figuren. In dem Kinderfilm von 1974 simuliert Karlsson eine Erkältung, um an die Wundermedizin „Kuckelimuck“ zu kommen – eine Grütze aus Himbeerbonbons, Sahnebonbons und Lakritze.

Für Gangster

Brian de Palma erzählt in „Scarface“ (26.12., Das Vierte, 22 Uhr 20) vom Aufstieg und Fall eines Einwanderers zum Mafiaboss. Al Pacino als Toni Montana ist skrupellos und größenwahnsinnig. Michelle Pfeifer steht als koksende Gangsterbraut an seiner Seite.

Für Kunstliebhaber

Wer war die geheimnisvolle Unbekannte, die den Betrachter von Johannes Vermeers Gemälde „Mädchen mit Perle“ so geheimnisvoll anblickt? Regisseur Peter Webber mutmaßt, es war die Magd des Malers. Und Scarlett Johansson spielt diese Magd in „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (26.12., ZDF, 23 Uhr 30) im Delft des Jahres 1665 sehr verführerisch. Der Film läuft zum ersten Mal im deutschen Fernsehen.

Für 2007

Die wohl berühmteste Silvesterparty steigt jedes Jahr am Times Square in New York. Mehr als eine Milliarde Menschen schauen im Fernsehen weltweit zu. Damit die Feier sicher und reibungslos abläuft, wird eine riesige Bühne aufgebaut, der Verkehr umgeleitet, Briefkästen abmontiert, Scharfschützen in Position gebracht. Für die Reportage „Countdown am Times Square – Silvester in New York City“ (26.12., Vox, 23 Uhr 25) hat ein „Spiegel TV“-Team die Vorbereitungen auf das Spektakel begleitet.

Zusammengestellt von Lars Spannagel

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