Drei International Emmy Awards : Deutsch-TV löst Derrick-TV ab

Deutsche Fernsehmacher und Schauspieler haben bei der Verleihung der begehrten Emmy-TV-Preise in New York überraschend gut abgeschnitten. Es gab drei Auszeichnungen.

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Gerührt in New York: Christiane Paul mit ihrem International Emmy
Gerührt in New York: Christiane Paul mit ihrem International EmmyFoto: Reuters/Mark Kauzlarich

Die Zweifel waren immer da. Zweifel, ob das, was vom und fürs deutsche Fernsehen produziert wird, auch für die internationalen Markt taugt. „Derrick“, nur zur Erinnerung, ist die weltweit meistverkaufte deutsche Serie, ausgestrahlt in über hundert Ländern. Der Oberinspektor des Horst Tappert, das war die televisionäre Inkarnation des Deutschseins.

„Derrick“ ist TV-Vergangenheit, die Gegenwart der Programme ist vielfältiger, diverser, globaler geworden und selbstverständlich weiterhin deutsch grundiert. So kann es kein Zufall sein, dass deutsche Produktionen bei der International Emmy Award in New York drei Mal erfolgreich waren: Christiane Paul gewann als beste Schauspielerin für ihre Rolle im ARD-Film „Unterm Radar". Die RTL-Fernsehserie „Deutschland 83“ um einen DDR-Grenzsoldaten wurde als beste Drama-Serie geehrt. Zudem ging ein dritter Preis nach Deutschland: „Krieg der Lügen – Curveball und der Irakkrieg“ von Matthias Bittner und verantwortet von SWR und BR gewann den Preis als bester Dokumentarfilm.

Nico Hofmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma Ufa Fiction („Deutschland ’83“), sagte, „dieser Abend in New York ist eine riesengroße Wertschätzung für die Qualität des deutschen Fernsehens in der Welt. Darauf hatten wir lange gehofft.“ Deutsche High-End-Fiction-Produktionen würden international wahrgenommen würden und konkurrenzfähig seien. Hofmann sprach von einer Trendwende bei den internationalen Erfolgsaussichten deutscher Filme und Serien. „Wir lösen jetzt ein bisschen die Skandinavier ab“, sagte Hofmann am Dienstag dem Radiosender SWR Info. Vor allem Themen aus der neuesten deutschen Geschichte stießen im Ausland auf großes Interesse.

"Deutschland '83" erzählt deutsch-deutsche Geschichte


Dafür steht „Deutschland ’83“ ein. Die RTL-Serie „Deutschland 83“ erzählt von einem jungen NVA-Soldaten (Jonas Nay), der als Stasi-Spion in die Bundeswehr eingeschleust wird. Bei aller Spannung wie Unterhaltung berichtet die Serie auch von deutsch-deutschen Besonderheiten, Befindlichkeiten und Beschränktheiten. Die acht horizontal erzählten Folgen liefen im Herbst 2015 bei RTL mit enttäuschenden Quoten. Dennoch wird an der Fortsetzung gearbeitet: „Deutschland 86“ entsteht jetzt in Zusammenarbeit mit dem Streaminganbieter Amazon Prime, der die Erstausstrahlungsrechte besitzt. Die Premiere im Free-TV wird bei RTL sein. „Ich glaube, dass sich das Deutschlandbild komplett verändert hat, sich komplett gedreht hat“, sagte Produzent Jörg Winger bei der Preiszeremonie und berichtete vom Überschwang, der heute der heute an der Ost- und Westküste der USA<TH>bei Gesprächen über Deutschland herrsche.

„Es ist der Hammer“, sagte Emmy-Gewinnerin Christiane Paul. „Das ist das Größte, was mir bis jetzt in meinem Leben passiert ist.“ Der WDR-Thriller „Unterm Radar“, 2015 im Ersten gezeigt, erzählt die Geschichte einer Mutter (Christiane Paul), von Beruf Richterin, die nicht glauben kann, dass ihre Tochter in einen terroristischen Anschlag in Berlin verwickelt ist. Auf der Thriller-Schiene wird eine Grundfrage ins Publikum geschoben: Wie weit darf der freiheitliche Rechtsstaat gehen, um die Sicherheit seiner Bürger zu schützen, ohne zugleich die Freiheit zu Tode zu schützen? Eine Frage, die universell, ubiquitär ist.

Doku über Auslöser zum Irak-Krieg gewinnt


Wenn nicht eine direkte Linie, so gibt es doch eine thematische dieser Emmy-Preisfindung zu einer weiteren: zur Auszeichnung von „Krieg der Lügen – Curveball und der Irakkrieg". Der in der ARD gezeigte Film will nachweisen, wie der heute in Deutschland lebende Rafed Ahmed Alwan („Curveball“) 2003 mit einer Lüge über die Existenz mobiler Massenvernichtungswaffen den Irak-Krieg ausgelöst haben soll. „Wir haben damit angefangen, einen Film an der Filmhochschule zu machen, und wir machen unseren Abschluss mit einem Emmy“, sagte Regisseur Bittner in seiner Dankesrede. „Kein deutsches Filmfestival wollte diesen Film zeigen. Am Ende landest Du in den USA, worum es in diesem Film eigentlich geht“, sagte Bittner.

Trotz aller Feierlaune ist den meisten in New York klar, vor welcher Kulisse hier mit Sekt angestoßen wird. Keine zwei Wochen zuvor hatte Donald Trump im selben Saal seinen Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl verkündet – nun steht Alan Cumming als Moderator am Pult und redet den Gästen ins Gewissen. „Am 8. November war dieser Saal der Veranstaltungsort für einen der dunkelsten, negativsten und vollkommen zerstörerischen Momente in der Geschichte dieses Landes.“

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