Medien : Drei, zwei, eins – meins?

Viele Rechte, viele Interessenten: Heute startet der Poker um die Bundesliga

Joachim Huber

Heute beginnt das Wettbieten um die Medienrechte der Fußball-Bundesliga. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird die „komplexeste Ausschreibung in der Geschichte der Bundesliga“ vorlegen, hat DFL-Direktor Tom Bender angekündigt. Neun bis zwölf Rechtepakete für maximal drei Spielzeiten ab der Saison 2006/2007 werden in den Markt gegeben. Voraussichtlich wieder dabei: das Freitagsspiel und das Spiel des Tages am Samstag.

Laut DFL werden die Live- und Nachverwertungsrechte für das Pay-TV, das Free-TV, für das Internet sowie die Auslandsrechte an den Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga ausgeschrieben. In einem ersten Schritt hatte die DFL potenzielle Käufer aufgefordert, sich an der von heute an gültigen Ausschreibung zu beteiligen. An die 30 Unternehmen sollen Interesse zeigen, aus dem TV-Bereich sind es ARD, ZDF, RTL, Sat 1, DSF, Premiere und Kabel Deutschland. Für die DFL und die 36 Klubs der Bundesligen ist das eine superbe Ausgangslage: Um das Produkt wird heftig gerungen, die derzeit von Fernsehsendern, Internet- und Mobilfunkanbietern gezahlten 300 Millionen Euro pro Saison können auf 400 Millionen plus x steigen. Wer hat in dem Rechtepoker nun welche Position? Eine Übersicht:

Die Liga: Zwar boomen die Zuschauerzahlen, trotzdem kommen die wesentlichen Einnahmen von den Sendern und den Sponsoren. Dabei liegen die Sponsoren-Gelder über den TV-Einnahmen. Und die Sponsoren verlangen größtmögliche Fernsehpräsenz, also Bilder mit ihren Produkten im Pay-TV und in den frei empfangbaren Programmen. Das bisher einzige Pay-TV heißt Premiere mit 3,5 Millionen Abonnenten. Allein die „Sportschau“ in der ARD erhöht diese Zahl im Schnitt um sechs Millionen Zuschauer.

Premiere: Die Rechnung des Bezahlsenders geht so: Mehr Geld für mehr Exklusivität, sprich mehr Live-Übertragungen mit deutlichem Abstand zu den anschließenden Verwertungen im Free-TV. Premiere-Sport-Vorstand Hans Mahr spekuliert hier auf ein Freitagsspiel und ein „Spiel des Tages“ am frühen Samstagabend. Dass mit Kabel Deutschland eine zweite Pay-TV-Plattform an den Start geht, muss Premiere nicht irritieren. 3,5 Millionen Abos bei Premiere gegen 300 000 bei Kabel Deutschland. Mehr Exklusiv-Spiele bei Premiere würden auf jeden Fall eine Abkehr von den bisher zwei Anstoßzeiten am Samstag um 15 Uhr 30 und am Sonntag um 17 Uhr 30 bedeuten. eine mögliche Aufstockung auf 20 Vereine bei Fans, Zuschauern, Medienpolitikern und „Bild“-Zeitung ankommt.

ARD: Für die „Sportschau“ weiterhin um 18 Uhr 10 wird der Senderverbund kämpfen und zahlen. Zwar ist der jetzige Starttermin nicht sakrosankt, trotzdem muss die Zusammenfassung von sechs, künftig vielleicht vier oder fünf Partien bis zum Start des Abendprogramms mit der „Tagesschau“ um 20 Uhr im Ersten gelaufen sein. Das Ziel der ARD: Nach der „Sportschau“ am Samstag muss sich die neue Tabelle im Kern abbilden lassen. Sonst wäre die „Sportschau“ als Zentralorgan der Bundesliga entwertet. Nachrangig und doch wichtig für die ARD-Sender sind Nachverwertungen in der „Tagesschau“ und in den Dritten Programmen.

ZDF: Der Mainzer hofft auf eine Aufwertung des „Sportstudios“ am Samstag um 22 Uhr. Die schönste Lösung für das ZDF wäre ein Wegfall der „Sportschau“. Dafür würde Intendant Markus Schächter viel Geld investieren. Bislang werden rund 13 Millionen Euro pro Saison gezahlt, eine Steigerung bis zu 44 Millionen ist drin.

DSF: Der private Sportsender fasst derzeit die beiden Sonntagsspiele um 19 Uhr zusammen. Das hat dem Sender und seiner Akzeptanz sehr genutzt, weshalb das Deutsche Sport-Fernsehen an einer grundlegenden Veränderung nicht interessiert sein kann.

RTL/Sat 1: Die Position der beiden Privatsender ist stark davon abhängig, was nach der ersten Runde der Ausschreibung – sie soll Ende November abgeschlossen sein – noch an Engagements möglich ist. RTL ist bislang ohne Bundesliga, wird aber bei der WM 2006 acht Spiele exklusiv übertragen. Diesen Schwung in die anschließende Bundesliga-Saison mitzunehmen, erscheint reizvoll. Sat 1 kann in dieser Spielzeit noch die besten Partien der Champions League zeigen. Von der Saison 2006/2007 liegen diese Free-TVRechte beim Pay-TV Premiere, das sie entweder selbst verwerten muss oder aber weiterreicht. Da sind Koalitionen – vielleicht mit Sat 1? – denkbar.

Alle Beteiligten erwarten aufregende Wochen mit ungewissem Ausgang; so ungewiss, dass die Neuverteilung der Bundesliga-Rechte bis Weihnachten keineswegs abgeschlossen sein muss.

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