Medien : Dreimal 11. 9.

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IM RADIO

Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Da war dieser endlos blaue Himmel über der Stadt, in den hinein die Supertürme verdampften. Jeder Beobachter ahnte sofort, dass von hier eine neue Epoche der Weltgeschichte ausgehen würde. Wir alle waren live dabei gewesen. Zwei Jahre ist das nun her, auch das Kulturradio leistet Erinnerungsarbeit. „Really ground zero“ heißt ein Hörspiel von Kathrin Röggla , das die Katastrophe aus der Perspektive einer Augenzeugin beschreibt. Die Schriftstellerin Röggla war Stipendiatin in New York, lebte ein paar Blocks von den stürzenden Twin Towers entfernt. Aber ihr Hörspiel will mehr, als nur den unmittelbaren Schrecken zu protokollieren. Die Autorin interessiert sich für die Funktionsroutinen des Medienbetriebs, die das Ereignis sofort bearbeiten. Für die strategischen Sprachspiele der Politik, die Steuerung der Wahrnehmung durch machtvolle Interessenverbände. „Ground zero“ ist ein realer Ort und zugleich eine erste Metapher, die der Katastrophe eine Deutung unterlegt (Deutschlandradio, 8. September, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Weil das AdornoJubiläum und der Jahrestag des Attentats diesmal punktgenau zusammenfallen, versucht Tita Gaehme , den Terror mit den Mitteln Adornos zu denken. „Die Dialektik der Aufklärung landet in der Konspiration“ ist ihr Feature überschrieben. Einmal mehr erweist sich Adornos Kunst-Theorie als wichtigste Inspirationsquelle. Jeder ästhetische Schöpfer, so Adorno, wolle das Bewusstsein des Rezipienten verändern. Lässt sich das weltweit gesendete Schauspiel des Terrors in diesem Sinne als geglückte ästhetische Aktion verstehen? Setzen politische Barbaren heute das Projekt der künstlerischen Avantgarde fort (Deutschlandfunk, 9. September, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz)?

Es war auch ein 11. September, als sich General Pinochet an die Macht putschte. Vor dreißig Jahren ließ er seinen obersten Dienstherrn ermorden und stürzte Chile in die Abgründe politischer Gewalt. Wie diese Gewalt aus Nahdistanz ausgesehen hat, davon erzählt Margot Overath in ihrem Feature „Mein Vater gegen Pinochet“ . Es ist die Geschichte eines Deutschen, der mehr als zwei Jahrzehnte in Chile lebte. Ein linker Gewerkschaftsfunktionär, ein geselliger, glücklicher Mann mit großer Familie. Dann ein Folteropfer der Junta, ein beinahe Getöteter. Die Erfahrung der Gewalt wird sein ganzes weiteres Leben bestimmen (Radio Kultur, 6. September, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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