Drogen kaufen im Internet : Im Rausch des Darknets

Im Internet breitet sich der Drogenhandel aus. Für Konsumenten wird der Kauf damit erstaunlich bequem. Die Ermittler haben es mit einem neuen Problemfeld zu tun.

Alice Hasters
Wer im Darknet surft wird nicht gefunden
Wer im Darknet surft wird nicht gefundenFoto: dpa

Einer der größten Drogenfunde Deutschlands wurde dieses Jahr in einem Jugendzimmer aufgespürt. Die Drogen gehörten dem 20-jährigen Maximilian S., der im Internet als „Shiny Flakes“ bekannt ist. Unter diesem Namen verkaufte er Drogen im Netz. Darunter Kokain, MDMA, LSD, verschreibungspflichtige Medikamente. Als er am Montag im Leipziger Landgericht saß, schwieg er. Wie er vom Kinderzimmer aus sein Netzimperium aufbaute, verriet er nicht.

Der Onlinehandel im Allgemeinen, das ist bekannt, boomt, denn er bietet eine Reihe von Vorteilen. Der größte ist die Bequemlichkeit. Vom Schreibtisch aus lassen sich die Waren begutachten und Angebote vergleichen. Der zweite Vorteil ist die individuelle Empfehlung anderer Produkte. Außerdem finden sich im Internet Anbieter aus aller Welt. Und das zwingt immer mehr lokale Einzelhändler ins Netz, wenn sie ihre Kundschaft behalten und auch neue gewinnen möchten.

Die Drogenkundschaft folgt den Wandlungen des Marktes

So gesehen ist es wenig verwunderlich, dass sich auch kriminelle Geschäfte ins Netz verlagern. Auch die Drogenkundschaft folgt den Wandlungen des Marktes. Außer Bequemlichkeit und zugeschnittenen Angeboten bringt das Internet diesbezüglich tatsächlich mehr Sicherheit. Dankend verzichten die Kunden auf einen Gang in zwielichtige Nachbarschaften, in dunkle Seitenstraßen oder auf einen Hausbesuch des Dealers. Der moderne Konsument kauft sein Koks genauso wie seine Bücher oder seine Kleidung per Mausklick. Und die Ware wird mit der Post nach Hause geschickt. Außerdem schafft die Kundenbewertung mehr Transparenz. Gestreckte Ware wird so schnell enttarnt und nicht gekauft. Da die Käufer nicht an einen Dealer gebunden sind, muss dieser einen Qualitätsstandard einhalten, wenn er seine Kunden denn behalten möchte. Für den Kunden ist der Drogenkauf im Netz so einfach, dass er fast vergessen könnte, dass es sich nicht um den Kauf von Schuhen oder Büchern, sondern um illegale Substanzen handelt.

Mit Tarnkappe ins Darknet

Möglich macht diese Art der Wohnzimmer-Kriminalität ein bestimmter Teil des Netzes: das Darknet – die Tiefsee des Netzes. Ein Teil des Netzes, der nicht über Google, Bing und Co. auffindbar ist. Zugang zum Darknet verschafft ein verschlüsselter Router. Als führend gilt das „Tor“-Netzwerk. Es verhindert, dass der Ort des Senders und des Empfängers ausgelesen werden kann. Denn die Ortung ist in der Regel das, was den Menschen im Internet „gläsern“ macht. Das „Tor“-Netzwerk ist eine Tarnkappe fürs Netz. Das bedeutet nicht, dass „Tor“ direkt ins Darknet führt. Bestimmte Adressen, meist eine willkürlich erscheinende Anreihung von Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen, leiten in das dunkle Netz. Manche solcher Adressen lassen sich mit einer einfachen Google-Suche herauskriegen, andere werden nur im Darknet weitergegeben.

Das Darknet an sich dient nicht nur kriminellen Machenschaffen. Für Aktivistengruppen in Ländern, in denen freie Meinungsäußerung ein Todesurteil bedeuten kann, ist das Darknet überlebenswichtig. Eine Studie des Unternehmens Trend Mirco belegte jedoch, dass die meisten das Darknet für illegalen Handel benutzen. Das umfasst weitaus mehr als Drogen. Waffen, geklaute Kreditkarten, Kinderpornografie, das lässt sich alles einfach im Darknet kaufen. Die Strafverfolgung im Darknet ist nicht einfach. Zum einen haben die Behörden noch keinen verlässlichen Weg gefunden, das Netzwerk zu knacken, zum anderen ist krimineller Internethandel ein internationales Problem und erfordert die Zusammenarbeit von mehreren Ländern.

Expansion statt Verlagerung

Vor zwei Jahren gelang es Amerikanern, die erste große Drogenplattform des Darknets, die „Silk Road“ in der Operation „Marco Polo“ hochzunehmen. Zwei Wochen später, fand sich die „Silk Road 2.0“ im Netz. Mit der Zusammenarbeit von 17 Staaten schaffte es Europol, auch diese Plattform 2014 zu entfernen. Wenige Tage danach gab es eine neue. Der Aufwand der Ermittlungen ist hoch, der Effekt hält nicht lange an. Meistens werden Internetdealer nicht über Cyberermittlungen aufgespürt, sondern über Rückverfolgung der Post: Drogenpakete, die in an die falsche Adresse gingen oder wieder in Packstationen landeten. Auf diesem Weg fanden die Ermittler auch Maximilan S.

Größer als im Internet ist das Drogenproblem nach wie vor auf der Straße. Dort führt der Handel mit Drogen oft zu weiteren kriminellen Handlungen. Im Internet muss keiner seine Ware mit Waffen verteidigen. Das Internet dezentralisiert die Kriminalität. Besorgniserregend ist, dass das Internet den Straßenhandel nicht verdrängt. Der Drogenmarkt verlegt sich nicht ins Netz, er expandiert dorthin.

Das Darknet, auf englisch „dunkles Netz“ ist ein verschlüsselter Teil des Internets, der nur mit bestimmten Browsern zugänglich ist. Das Darknet wurde entwickelt, um Anonymität für Aktivisten und Whistleblower im Netz zu gewährleisten. Ein großer Teil der Demonstrationen während des arabischen Frühlings 2011 wurden über das Darknet organisiert. Mittlerweile wird das Darknet vermehrt für illegalen Handel benutzt, auch für Drogenhandel. Die meistgekaufte Droge im Darknet ist Cannabis

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