Medien : Druck, lass’ nach

Bertelsmann-Chef sucht im Streit mit der Jahr-Familie Kompromiss

Ulrike Simon

Am Dienstagnachmittag hatten sich für anderthalb Stunden alle Führungskräfte des Hamburger Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr im Auditorium versammelt. Gunter Thielen war angekündigt, der Vorstandschef des G+J-Mutterkonzerns Bertelsmann.

Zwei Themen bestimmen zurzeit die Gespräche in den Fluren des Verlagshauses am Baumwall, beide sprach Thielen an. Zum einen ist da die Sache mit Gerd Schulte-Hillen, dem langjährigen G + J-Vorstandschef, der auf Thielens Drängen hin als Aufsichtsratschef von Bertelsmann zurücktrat. Thielen äußerte sich erstmals zumindest semi-öffentlich dazu, sagte jedoch weder Überraschendes noch Neues. Die andere Sache ist der Streit zwischen der Jahr-Familie, der 25,1 Prozent des Druck- und Verlagshauses gehören, und Bertelsmann, mit 74,9 Prozent an G + J beteiligt. Es geht darum, dass Bertelsmann seine von Hartmut Ostrowski – einem potenziellen Thielen-Nachfolger – verantwortete Drucksparte (Arvato) mit der von Springer fusionieren möchte. Möglicherweise hat dagegen das Brüsseler Kartellamt Einwände. Ganz sicher aber hat schon jetzt die Jahr-Familie Einwände. Sollten die beiden Drucksparten fusionieren, könnten sie den G + J-Druckereien mit günstigeren Angeboten Kunden madig machen. Die Gewinne wären in Gefahr. Die Jahr-Familie drohte deshalb sogar mit einer Klage gegen Bertelsmann – was die öffentliche Diskussion anheizen und die Welle der negativen Schlagzeilen über Bertelsmann verlängern würde. Zudem entstünde ein weiterer Konflikt, da Bernd Kundrun in Bedrängnis käme, sich mit Blick auf sein Doppelmandat entscheiden zu müssen, ob er als Vorstandsvorsitzender von G + J die Interessen des Hamburger Verlags wahrt oder in seiner zweiten Funktion als Vorstand von Bertelsmann im Interesse von Bertelsmann agiert.

Thielen sprach sich für eine Kompromisslösung aus. Sie könnte so aussehen, dass aus dem Zweier- ein Dreierbund wird. Dann würden nicht nur die Tiefdruckereien von Bertelsmann und Springer, sondern auch die von G + J zu einem Unternehmen verschmelzen. Was Springer davon hielte, ist unklar. Würden die Fusionspläne wegen Springer platzen, wären die Vorzeichen andere, der Buhmann wäre Springer. Bertelsmann könnte sein Gesicht wahren, denn dann hätte es zumindest nicht den Anschein, der Gütersloher Konzern hätte sich dem Druck seines Hamburger Partners Jahr gebeugt. Thielen signalisierte am Dienstag aber auch, dass Kundrun in diesem Sachkonflikt ausschließlich die G + J-Interessen, nicht die von Bertelsmann wahren wird: Es sei alles zu vermeiden, was Vorstand und Unternehmen beschädigen könnte, sagte er. Am Freitag findet die von der Jahr-Familie einberufene Gesellschafterversammlung statt, in der die Angelegenheit entschieden werden soll.

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