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Dschungelbuch (9) : Am Hof von König Winfried

Was bringt mir die Krone, wenn ich kein mehr Volk habe, weil die Show vorbei ist? Winfried Glatzeder gibt bereits jetzt den Regenten des Dschungelcamps. Und die RTL-Sendung klettert von einem Quotenerfolg zum nächsten.

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Mit kritischem Gesichtsausdruck verfolgt Winfried Glatzeder (auf der Bank oben rechts) die Ankündigungen von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich.
Mit kritischem Gesichtsausdruck verfolgt Winfried Glatzeder (auf der Bank oben rechts) die Ankündigungen von Sonja Zietlow und...Foto: RTL

Man sich auch mal selbst loben dürfen, so wie Winfried Glatzeder es tut. Ja sicher, er habe bislang noch nicht allzu viel geleistet, gibt er zu. Aber wenn man ihn noch ein paar Tage im Camp lasse, dann werde er sich dafür sicherlich erkenntlich zeigen, verspricht er den Dschungelcamp-Zuschauern dort draußen fern in Deutschland. Tatsächlich jedoch tritt der Ex-„Tatort“-Mime schon jetzt ganz als König Winfried von Glatzeder auf. Wie kein anderer Teilnehmer von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ hat er erkannt, dass ein König ein Volk braucht. Was bringt die Krone, wenn das Camp vorbei ist, wenn alle die Heimreise angetreten haben und man niemanden mehr da ist, mit dem man Hof halten kann? Wie trefflich hingegen ist die Gegenwart für den weisen Herrscher, als der sich Glatzeder betrachtet. Ob der zum Untertan geschrumpfte Mola Adebisi oder unverwüstliche Larissa Marolt: niemand aus dem kleinen Reich im Busch von Australien verpasst derzeit die Chance auf eine Audienz beim amtierenden Dschungelkönig. Ob er am Ende die Krone erhält? Wird man sehen. Doch bis zum Rauswurf darf Winfried I. den großen Weltversteher geben. Selbst der ebenfalls ambitionierte Jochen Bendel weiß, wem er seine Sterne übergeben muss.

 Dass man sich auch mal selbst loben muss, weiß freilich vor allem auch der Sender RTL. Vor Stolz geschwellter Brust bekommt man in Köln morgens beim Quotencheck kaum noch die Hemden und Blusen zugeknöpft. Der wahre Herrscher im Hintergrund heißt Markus Küttner. Er ist der Leiter des RTL-Dschungelcamps und hat gerade dem Medienmagazin DWDL.de ein Interview gegeben. Jede kritische Frage an der Sendung perlt an Küttner ab wie Regenwasser an den Campbewohnern. Das ewige Genöle über B-Promis ringt ihm nur ein Lächeln ab. „Wer legt denn fest, ob jemand A-, B- oder C-Promi ist?“ fragt er zurück und gibt selbst die Antwort: „Momentan interessieren sich doch mehr Zuschauer für Julian F.M. Stöckel als für Boris Becker. Wer ist denn dann der A-Promi?“

Das Dschungelcamp: Erfolgreicher als der FC Bayern München

 Recht hat Küttner. Selbst der FC Bayern München hat quotentechnisch inzwischen das Nachsehen. Das Auftaktspiel zur Bundesliga-Rückrunde interessierte am Freitag trotz Free-TV gerade einmal 6,2 Millionen Zuschauer. Den Dschungel zur späten Stunde wollten an diesem Tag, an dem Corinna Drews als erste das Camp verlassen musste, hingegen mehr als acht Millionen TV-Zuschauer nicht verpassen. Selbst die Durchschnittszuschauerzahl liegt inzwischen bei 7,8 Millionen. Damit ist „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ so erfolgreich wie nie zuvor. Selbst das RTL-„Nachtjournal“ darf sich über den Zuspruch freuen. Mit 2,4 Millionen Zuschauern ist das Publikum fast doppelt so groß als in dschungellosen Zeiten. Und selbst der Erfolg vom Freitag wurde noch einmal getoppt: 8,33 Millionen Zuschauern brachten RTL auch am Samstag erneut den Tagessieg. Die "Wetten, dass..?"-Sendung aus Karlsruhe sahen hingegen nur 6,3 Millionen, trotz medialer Massenerregung um Markus Lanz.

 Die Entwicklung im Camp jedoch zeigt, dass es nicht das Gleiche ist, eine erfolgreiche Sendung zu produzieren und über prophetische Gaben zu verfügen. Denn der von Küttner mit Tennislegende Boris verglichene Julian Stöckel musste am Samstagabend seine Habseligkeiten packen. Anders als bei der Ex-Frau des selbst ernannten Mallorca-Königs, die vor allem für ihre fortgesetzte Passivität aus dem Camp rausgewählt wurde, konnte man über den Berliner Fashion-Hero nicht einmal etwas Schlechtes sagen. Aber auch das kann im australischen Busch offenbar zu wenig sein.

Vibratoren und Nerven

 Was sonst noch passierte? Nach acht Dschungelprüfungen in Folge durfte sich Larissa Marolt dieses Mal erholen. Mit ihrer anrührenden Geschichten über das Leben im elterlichen Hotel mitsamt Haustroll und saufendem Gärtner Engelbert wurde sie am Samstag von einer ganz anderen Seite als sonst präsentiert. Der Preis für die Zicke des Tages ging hingegen an Gabby de Almeida Rinne. Nicht für ihr Vibratorgespräch mit Melanie Müller – die sich diesmal komplett nackt zeigte (ist das tagsüber eigentlich unverpixelt auf RTLnow zu sehen? Achtung Jugendschützer: Die Antwort lautet ja!). Sondern für ihren Auftritt während der Prüfung. Dass sie bei den Schätzfragen zumeist komplett daneben lag, hat ihr niemand aus der Gruppe zum Vorwurf gemacht. Dass sie jedoch mit ihrem hysterischen Verhalten die wenigen errungenen Sterne aufs Spiel setzte, erboste vor allem König Winfried. Jetzt muss sich zeigen, ob Gabbys trotz ihres Einwandes „Komm Winfried, halte dich doch bitte mal zurück“ noch große Chancen auf einen längeren Aufenthalt im Dschungel hat. Larissa Marolt hingegen hat der Fangemeinde einen Ausspruch von unschlagbarer Logik geschenkt, den man vermutlich nicht zum letzten Mal gehört haben wird: „Wenn ich euch nerve, dann habt ihr keine Nerven“. Kurt Sagatz

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