Dschungelcamp (12) : Trashtalk schlägt Trashfernsehen

Trotz gähnender Langeweile schalten auch bei dieser Staffel des Dschungelcamps jeden Abend Millionen Menschen ein. Um dabei zu sein, um mitreden und vor allem mittwittern zu können. Der Hashtag #ibes rangiert täglich unter den Top Trends.

von
Daniel Hartwich und Sonja Zietlow
Daniel Hartwich und Sonja ZietlowFoto: dpa

Über eines sind sich inzwischen nahezu alle Beobachter einig: Diese Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ ist die belangloseste ever. Ever, ever! Sie ist so laaaangweilig, dass selbst die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich schon Witze über die Schnödigkeit ihrer eigenen Sendung machen.

Der eigentliche Witz aber ist, dass jeden Abend trotzdem zuverlässig zig Millionen Menschen zuschauen. Um dabei zu sein, um mitreden und vor allem mittwittern zu können. Allein am ersten Tag der Show setzte Dschungeldeutschland  zwischen 20 und 24 Uhr 64.000 Tweets zur Sendung ab. Seither rangiert der Hashtag #ibes täglich unter den Top Trends.

Der Trashtalk per Internet-Kurzbotschaftendienst scheint, folgt man den Unterhaltungen, interessanter zu sein als das Trashfernsehen aus Australien. Es lebe der Second Screen, also die Nutzung eines zweiten Bildschirmes neben dem laufenden Programm. Mit von der Läster-Partie auf Twitter sind auch Promis wie Sarah Kuttner, Miriam Pielhau, Rolf Fuhrmann oder Steffen Henssler, der seinen Frust so ausdrückt: „Was für Deppen sind diesmal nur dabei...aaahhhhhh“.

Dabei ist es ja nicht so, dass RTL dieses Jahr nicht wieder alles versucht. So werden für Jörn Schlönvoigt und Maren Gilzer am Dienstag in der Prüfung Rattenschwänze, Schweinerosetten und Kotzfrucht serviert. Doch nicht mal solch ein Ekelessen vermag großartige Emotionen beim Zuschauer zu wecken. Vielleicht ist das Publikum in der nunmehr neunten Staffel des Camps abgestumpft, vielleicht sind die Kandidaten aber einfach auch wirklich so bieder wie nie. Oder um es mit einem anderen eifrigen Twitterer zu sagen: „Langsam gehen die mir da alle auf den Sack.“

Slow-TV im Dschungel

Ganz genau! Selbst Teilnehmer Walter Freiwald wähnt sich unter seinesgleichen da unten im „Assiland“, nur um danach gleich nochmals zu wiederholen, dass er gerne eine Sendung wie  „Wer wird Millionär“ moderieren möchte und, natürlich, bereits ein Angebot für „Wetten, dass…“ hatte. Walter, Maren, Jörn, Aurelio, Rolfe und Tanja: Sie sind nun noch übrig. Und in dieser Besetzung vermag sogar jemand System zu erkennen: „In Norwegen ist Slow-TV ein Riesenerfolg - RTL hat mit #ibes diesen Trend jetzt auch nach Deutschland gebracht.“ Denkt der Kölner Sender deshalb etwa jetzt über die Ausstrahlung eines Sommercamps mit noch unbekannteren Prominenten nach

Für die Ausgabe des Winters 2015 scheint das noch nicht wirklich der Plan gewesen zu sein. Und so gilt die Weisheit nach @koerber: „Hilft ja alles nix. Durchhalten bis Samstag, Dschungelfreunde! Auf geht's!“ In diesem Sinne machen auch wir anders als die B.Z., die mit dem Hinweis auf Langeweile ihre Berichterstattung über das Camp inzwischen eingestellt hat, mit unserem Tagebuch weiter. Eisern.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben