Dschungelcamp (Finale) : Zurück auf dem Boden der Tatsachen

In Maden baden, Hoden essen: Die Teilnehmer des diesjährigen Dschungelcamps erfüllten brav ihre Pflicht. Und waren viel zu kameradschaftlich. Dschungel-Königin Maren Gilzer fand es trotzdem "Wahnsinn".

Barbara Nolte
Daniel Hartwich und Sonja Zietlow
Daniel Hartwich und Sonja ZietlowFoto: dpa

Seit Tagen schon wird vielstimmig die 9. Staffel des RTL-Dschungelcamps als die bislang langweiligste bewertet. Nachdem gestern, wie zu erwarten, Maren Gilzer zur Dschungel-Königin gewählt worden ist, bleibt noch die Schuldfrage zu klären: Woran lag es, dass die Realityshow diesmal so wenig Sog entwickelte?

Lag es am Cast? War das Ensemble aus Ausrangierten des Betriebs und noch hoffnungsvollen Ex-Kandidatinnen aus Castingshows schlecht zusammengestellt? Oder haben die diesjährigen Teilnehmer aus den vorangegangenen Staffeln gelernt, sich in keine Intrigen hineinziehen zu lassen und im Fall einer Nominierung für eine Dschungelprüfung, die eigentlich auf Demütigung abzielen, freudige Erwartung auszustellen?

Schwache Gruppendynamik

Diese Staffel wurde dominiert von mitunter mit Schlamm beschmierten Saubermännern und -frauen, die ihre Pflicht tun. In Maden baden, Hoden essen. Das Übliche. Die Varianten der Dschungelprüfungen haben sich lange schon erschöpft. Ähnlich wie zuletzt die den Wetten von "Wetten, dass?" sind die täglichen Ekel-Aufgaben zwar konstituierender, aber zugleich besonders öder Teil jeder Sendung. Als Stressfaktor sollen sie ein Katalysator für die Gruppendynamik sein, die diesmal dennoch schwach ausgeprägt blieb. Zumal die spätere Siegerin Maren Gilzer selbst glibberigste Dschungeltiere mit großem Gleichmut aß. Gilzer zeigte auch keinerlei Anzeichen von Lagerkoller oder andere Attitüden. Den Konkurrenten gegenüber gab sie sich stets empathisch und kameradschaftlich. Dabei wurde klar: Was dem einzelnen Kandidaten nutzt, schadet der ganzen Sendung.

Vor Staffelbeginn hat der Schauspieler Ulrich Matthes in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" das Camp mit dem "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen verglichen. In beidem gehe es um "allegorische Figuren wie Gott, Teufel, Tod, Buhlschaft", dargestellt in saisonal wechselnder Besetzung. Schaltete man dann RTL ein, glaubte man einem Outdoor-Coaching zuzuschauen. Viel Teambuilding, wenig Intrigen. Alle drei Finalisten gaben sich erst wettbewerbsorientiert, sie versicherten, "unbedingt die Krone" zu wollen. Schließlich herausgewählt, wurden der Schauspieler Jörn Schlönvoigt und die Ex-Castingshow-Kandidatin Tanja Tischewitsch, zweit- beziehungsweise drittplatziert, zu verständigen Verlierern. Tanja Tischewitsch sagte: "Dass ich es soweit geschafft habe, freut mich tierisch."  Jörn Schlönvoigt meinte wohlfeil, dass er mitgemacht habe, um seine Grenzen auszutesten.

Rettung in Selbstironie

An seine Grenzen stieß diesmal das oftmals gelobte Autorenteam Micky Beisenherz und Jens Oliver Haas, das Gags für die Moderationen von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich schreibt. Angesichts des freundlichen Miteinanders im Camp arbeiteten sich Beisenherz und Haas an dem Teleshopping-Moderator Walter Freiwald ab, selbst nachdem der herausgewählt worden war. Freiwald gab sich großmäulig, er sagte beispielsweise, dass er sich als Bundespräsident und als Moderator von "Wer wird Millionär?" für geeignet halte. Beides ist an sich schon so überzogen, dass jede weitere Zuspitzung der Gagschreiber witzlos geriet.

Als das Markanteste an Tanja Tischewitsch galt den Autoren offenbar deren Brüste. Sie schrieben den Nancy-Sinatra-Klassiker in "My Boobs Are Made For Walking" um, den Sonja Zietlow zum peinlichen Vortrag brachte. In den letzten Folgen schwenkten die Moderatoren auf Selbstironie um. "Hier in Australien war voll was los", sagte Zietlow in einem Tonfall, der keinen Zweifel ließ, dass das Gegenteil der Fall war.

 "Wahnsinn! Wie cool ist das denn! Danke, lieber Gott", rief dagegen Maren Gilzer. Dazu hüpfte sie herum, breitete die Arme aus. Als Dschungel-Königin war sie als letzte im Camp und konnte noch nicht wissen, dass "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", um das sich in den vergangenen Jahren ein Hype gebildet hatte, mit dieser Staffel auf dem Boden der Tatsachen zurück war.

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