Dschungelcamp : "Ich hab` ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner…“

Seit neun Tagen schlagen sich zehn tapfere C-Promis durch den australischen Dschungel, schlafen, essen, trinken und baden gelegentlich in Kakerlaken. Das Unglaubliche: Jeden Abend sehen ihnen Millionen Fernsehzuschauer dabei zu.

Simone Bartsch
Dschungel
Fesseln pro Folge vier MIllionen Zuschauer an den Fernseher: die Dschungelcamp-Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow. -Foto: dpa

Die Deutschen haben ein neues Hobby: Die Soziologie. Anders lässt es sich zumindest kaum erklären, warum allabendlich über vier Millionen Zuschauer vor ihren Fernsehern sitzen und beobachten, wie zehn fremde Menschen ihren Alltag im Dschungel meistern. Ja, tatsächlich. Vier Millionen Zuschauer. Vier Millionen potentielle Soziologen. Wie lange hat die Soziologie auf dieses Interesse gewartet! Und jetzt zeigt sich: Das war eigentlich ganz einfach. Zehn C-Promis als Untersuchungsobjekt reichen aus. Dazu ein künstlicher Tümpel, ein paar Palmen und wilde Ratten. Mehr braucht es nicht. Ach ja, ein paar zwischenmenschliche Dramen hier und da sind natürlich unverzichtbar. Ein kleiner Einblick in die Ängste und Neurosen der Untersuchungsobjekte sind auch nicht verkehrt. Und ein paar kleine Peinlichkeiten für den Unterhaltungswert der Studie. Aber das ist für unsere C-Promis ja gar kein Problem.

Das menschliche Drama: Lisa Bund

Und so gab es auch gestern Abend wieder Spannendes zu sehen für die Neu-Soziologen unter uns. Als erstes: Das menschliche Drama. Lisa Bund musste das Camp verlassen. Nicht etwa, weil sie von den Zuschauern raus gewählt wurde, sondern weil sie krank ist. Magenschleimhautentzündung. Nichts Neues, schließlich war sie in Deutschland deshalb schon zweimal in Behandlung. Trotzdem wollte sie ja unbedingt in den australischen Kunst-Dschungel, in dem es eher ungewohnte Kost gibt. Hätte man sich ja denken können, dass das nichts ist für einen empfindlichen Magen.

Das hat sie nun davon, die Lisa. Jetzt verbringt sie die Zeit in einer australischen Privatklinik. Naja, es gibt Schlimmeres. Die zurückbleibenden Camp-Bewohner vergossen unzählige Tränen. Böse Zungen würden nun vermuten, sie weinten, weil sie sich auch nach einem Bett in der Privatklinik sehnten, nach fließendem warmen Wasser, kuscheligen Decken und Lebensmitteln en masse. Die soziologisch geschulten Zuschauer haben jedoch gleich richtig erkannt: Die Tränen waren echte Trauer-Tränen. Nach neun Tagen gemeinschaftlichem Camp-Alltag haben sich bereits so enge Bindungen der Camp-Insassen untereinander gebildet, dass der Verlust eines Leidensgenossen unglaublich schwer fällt. Fast so etwas wie das Helsinki-Syndrom. So ein Camp schweißt eben zusammen. Das weiß doch jeder. Grundstudium Soziologie ist das, wenn überhaupt.

Die Neurosen: Platzangst bei Julia Biedermann

Und auch den für ihre Studien zwingend erforderlichen Einblick in die Ängste und Neurosen der Camp-Bewohner bekamen die Zuschauer gestern geboten. Dieses Mal war Schauspielerin Julia Biedermann das zu studierende Objekt. Die Fernsehzuschauer hatten sie auserwählt, um die Dschungelprüfung "Krabbelgruppe" zu absolvieren. Julia, die sich bereits bei anderen kleinen Aufgaben als schwaches Teammitglied einen Namen gemacht hatte, sollte sich in einen gläsernen "Sarg" legen und 40.000 Kakerlaken über sich krabbeln lassen.

Doch wie es der mittlerweile erfahrene Zuschauer schon geahnt hatte: Julia versagte und brach die Dschungelprüfung ab, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Platzangst, lautete die schwache Entschuldigung. Sehr tapfer. Und wie kollegial den anderen gegenüber. Naja, wenigstens hat sie sich getraut, für die aktuelle Playboyausgabe die Hüllen fallen zu lassen.

Der Unterhaltungswert: Superstars und Döner-Song

Und auch in der letzten Disziplin der soziologischen Dschungel-Studie haben die Promis gestern alles gegeben: Ein paar Peinlichkeiten. Da die C-Promi-Riege ihre Selbstachtung bereits bei Betreten des Camps abgegeben hat, ist dies wohl die täglich leichteste Übung für unsere Studienobjekte. In Erinnerung an Super-Sternchen Lisa starteten die Camp-Insassen also einen Gesangswettbewerb. Grauenvolles war da zu hören. Während die musikerprobten Teilnehmer Ross, Bata und Tomekk die Rolle der kritischen Jury übernahmen, trällerten die anderen mehr schlecht als recht ihre Lieder: Eike Immel übte sich im christlichen Hip Hop, Björn Hergen Schimpf versuchte mit einem Hamburger Schunkler zu überzeugen und Michaela Schaffrath warf sich mit einem Karneval-Klassiker über Döner und Zwiebeln in den Contest - und wurde damit Dschungel-Song-Königin des Abends. Anspruchsvolles überzeugt eben. Oder wer würde behaupten wollen, Michaela überzeuge mit anderen Argumenten…

Nun ja, auch in den nächsten Tagen werden die Zuschauer ihre Studienobjekte C-Promis weiterhin beobachten können. Es dürfte sogar noch spannender werden als bisher, denn künftig werden die Fernsehzuschauer nach und nach die Kandidaten aus dem Camp heraus wählen. Wir dürfen gespannt sein, welche soziologischen und menschlichen Dramen sich dann noch abspielen werden in der kleinen Test-Welt des Dschungel-Camps…

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