Dschungelcamp II : Rainer Langhans zieht sich vom Körper zurück

Ein Sarg aus Glas, ein Haufen Kakerlaken, eine Schlucht: Ex-Hippie Rainer Langhans meistert seine erste Mutprobe im RTL-"Dschungelcamp". Und viel lieber als in dieses Camp würde man in seinen Kopf gucken.

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Rainer Langhans
Rainer LanghansFoto: dpa

Ist es vielleicht doch Quälerei, wenn man ein lichtscheues Tier der grellen Sonne aussetzt und ihm als einzige Fluchtmöglichkeit die roten Shorts von Rainer Langhans anbietet? 

Langhans hat leider nicht mehr nachgefragt. Dabei war es ihm vor Prüfungsbeginn ein Anliegen gewesen. Keine Kreatur soll durch ihn zu Schaden kommen in der Fernsehsendung, deren Teilnehmer er ist. 

In Folge 2 des „Dschungelcamps“ hielt es der ehemalige Hippie Langhans als vom Publikum erwählter Mutproben-Kandidat elf Minuten lang zusammen mit sehr vielen Kakerlaken in einem gläsernen Sarg aus, der über einer Schlucht hing und einen schönen Blick über den Dschungel bot. Aber Langhans, der Kurzsichtige, hatte seine Brille abgesetzt, bevor er in den Sarg gestiegen war. Also sah er, das kam auf Nachfrage der Moderatoren heraus, von dort oben vor allem eins: „Grün.“

In den elf Minuten verzog Langhans kaum sein Gesicht. „Ich versuch mich ein bisschen vom Körper zurückzuziehen“, erklärt er das später im Camp.

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1 von 23Foto: RTL/Gregorowius
13.01.2011 14:30Elf ziehen ein ins vierte RTL-Dschungelcamp, einer sticht besonders heraus:

Das scheint allgemein seine Strategie zu sein. Vom Körper zurückziehen. Nicht hören, nicht sehen. Er nimmt nicht teil an den kecken Gesprächen, die die Moderatoren gerne führen wollen. Nicht an kleinen Streitigkeiten unter den Sendungsteilnehmern, nicht an deren Analyse oder Schlichtung. Er ist vor allem müde und erschöpft, er ist ja schon 70, er liegt jedenfalls viel. 

Und viel lieber als ins „Dschungelcamp“ würde man in seinen Kopf gucken.

Was er wohl denkt, nunmehr unter hohen Palmen im Busch Australiens liegend, das an seinen Rändern derzeit ganz real mit einer gigantischen Wetterkatastrophe zu kämpfen hat? Fragt er sich, was schief gelaufen ist? Denkt er vielleicht darüber nach, wieso die 68er-Bewegung zu einer Fernsehsendung wie dieser geführt hat? Die 68er haben Tabus gebrochen, das Establishment verjagt, Vorhandenes zertrümmert, viele neue Möglichkeiten geschaffen, zu Mut aufgerufen. Und die Menschen drehten das „Dschungelcamp“. Warum nur?

Mit seiner freundlich-reduzierten Anwesenheit scheint  Langhans so etwas wie der einzig Vernünftige in dem Camp zu sein (wobei einige Kandidaten bisher kaum in Erscheinung traten, weshalb über ihre Vernunft noch nichts gesagt werden kann). Das ist deeskalierend und stört er die vorgesehene Dynamik des wachsenden Wahnsinns.

Wahrscheinlich fliegt er als erster raus.

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