Dschungelcamp IV : Exoten-Entertainment zum Abschalten

Noch nie wurde so eindeutig bewiesen, dass der angeblich "gefährlichste Dschungel der Welt" nichts ist als Hokuspokus. Das fängt bei der Ausstattung der Bewohner an und hört bei dem ausgebuddelten Teich nicht auf. Da werden Nervensägen wie Sarah Knappik glatt vermisst.

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Ein Tauchgang mit Ratten stand für Jazzy bei der Dschungelprüfung an.
Ein Tauchgang mit Ratten stand für Jazzy bei der Dschungelprüfung an.Foto: RTL

Ich wollte ja ins „Dschungelcamp“, aber das „Dschungelcamp“ wollte mich nicht. Vor kurzem bin ich nämlich durch Australien gereist, auch da lang, wo sich das Fantasialand des Abenteurertums light befindet. Doch RTL wollte keine Reporter zum Set lassen, und nach Tag 4 der aktuellen Staffel ist mir klar, warum. Zwar hat es das Exoten-Entertainment, das immer erfolgreicher auf Voyeurismus und Fernweh der Zuschauergemeinde als Zielgruppe der Werbewirtschaft setzt, nun in die deutschen Feuilletons geschafft. Aber die „Dschungelcamp“-Fans der ersten Stunde, die schalten dieses Jahr offenbar immer öfter ab.

Noch nie wurde so eindeutig bewiesen, dass der angeblich „gefährlichste Dschungel der Welt“ nichts ist als Hokuspokus. Das fängt schon bei der Ausstattung von Campbewohnerin Micaela Schäfer an. Nichts gegen Doppel-D-Silikon, das soll jede Frau halten wie sie will, aber so enervierend wie sie hat noch niemand ihre Nacktheit in den Kunstteich getaucht. Ja, Kunstteich, denn im ZDF-Magazin „Frontal 21“ hat Bauarbeiter Craig Cutting erzählt, wie er das Wasserloch auf dem Farmgelände ausgebuddelt  hat. Einmal ist sogar die Teichfolie versehentlich nicht retouchiert worden. Dabei weiß jeder Australien-Urlauber, dass man sich auf dem Kontinent kaum einer Pfütze nähern kann, ohne von Blutegeln angefallen zu werden. Die hat RTL in dem von Securityleuten gesicherten Drehcamp nahe dem kleinen Ort Murwillumbah unweit von Brisbane dafür quasi in Form von Dirk „Dickie“ Bach und Sonja „Missie“ Zietlow installiert. Ein Glück aber auch.

Kam man als Gutmensch anfangs  mit deren zynisch-verachtender Bissigkeit so gar nicht zurecht, so retten die Moderatoren und deren Gagschreiber jetzt in der Fernsehstunde der Bedeutungslosigkeit wenigstens das, was zu retten ist. Montagnacht gebührte ihnen ein Stern für ihre Sprüche  wie beispielsweise, dass in Brigitte Nielsens Antlitz der Sänger von Scooter, H.P. Baxxter, zu erkennen ist. Apropos Nielsen: Die ist Vertreterin der neuen Migranten-Generation im Camp und hier die einzige, die Charisma besitzt - wenn jemand Dschungelqueen wird, dann bitte sie.

Ob ich bis zur letzten Folge durchhalte, weiß ich noch nicht. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir angesichts der vielen gesichtslosen Z-Promis mal eine der von den Sendemachern inszenierten Nervensägen zurück wünschen würde: Sarah Knappik! Ingrid van Bergen! Costa Cordalis! Jay Khan! Man muss doch was zum Lästern haben, oder wenigstens mal die ein oder andere gruppendynamische Entwicklung zur psychologischen Erbauung.

So bleibt mir nichts, als mich vor der Glotze mit Gedanken über diese abstrusen Fleecewesten  wachzuhalten. Fleece, bei schwülen 30 Grad? Sind da die Sender für die Regieanweisungen versteckt? Warum schlägt im Camp nie jemand nach Mücken, eigentlich kann man im subtropischen Regenwald an der Ostküste ohne ständiges Autan-Refill  am ganzen Körper nicht überleben. 

Am Montag hat Sonja Zietlow so nebenbei gesagt, dass das TV-Camp mit Folie abgedeckt ist, damit nicht alle absaufen. Und morgens sitzen plötzlich alle plötzlich mit  trockenen Sachen da. Und jetzt werden die Zuschauer auch noch mit Weihnachtsmarkt-Glühwürmchen-Dschungelttests gefoltert. Hallo! Weihnachten? Das Fest ist auch auf der anderen Seite der Welt vorbei! Die Serie würde jetzt nur noch ein echter Aborigine retten, der den naturentfremdeten Westeuropäern mal zeigt, wie man Bohnen richtig kocht, eiweißhaltige Witchety-Larven sowie Honigameisen aus den Wurzeln der Bäume buddelt und  wirklich leckere Buschtomaten findet. 

Um in der „Dschungelcamp“-Sprache zu bleiben: Die Macher dieser Staffel gehören auf den elektrischen „Dschungel“-Stuhl, auf dem im vergangenen Jahr schon Katy Karrenbauer zusammenzuckte. Das war übrigens der Zeitpunkt, bei dem ich vergangenes Jahr abgeschaltet habe. 

 

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