Dschungelcamp VI : Was vernünftig ist, das ist wirklich

Das RTL-Dschungelcamp hat sechs Ausgaben hinter sich. Es wird Zeit für die Meta-Ebene. Hier ist sie: elf Kandidaten, elf Anmerkungen.

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Ist ein Bücherleser wirklich ein besserer Mensch als ein Kakerlaken-TV-Zuschauer? Im Angesicht von Dirk Bach und Sonja Zietlow scheint die Antwort eindeutig.
Ist ein Bücherleser wirklich ein besserer Mensch als ein Kakerlaken-TV-Zuschauer? Im Angesicht von Dirk Bach und Sonja Zietlow...Foto: dpa

Das „Dschungelcamp“ ist blöd. Wie blöd ist dann die Fußball-Bundesliga, in der 22 Männer in kurzen Hosen und für Millionenlohn einem Lederball hinterher rennen?

Eva Jacob/Mathieu Carrière/Rainer Langhans: Männer können in größerer Würde altern als Frauen.

Das Publikum hat mit jeder Ausgabe der RTL-Show dazu gelernt. Es ignoriert die Sendung oder es lacht über die Kandidaten. Nichts gelernt hat die Kritik, die sich aus überkommener Moral speist. Spatzbrüstig wird die eigene Igittigitt-Reaktion von „Dschungelcamp I“ repetiert.

Das Camp schafft Community, Kulturpessimismus macht einsam.

Ich brauche noch ungefähr zehn Mal „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“, ehe ich wirklich feststellen könnte, dass Deutschland ohne „Rumble in the jungle“ ein besseres Land wäre.

Kommunarden mit Maden
Elf ziehen ein ins vierte RTL-Dschungelcamp, einer sticht besonders heraus:Weitere Bilder anzeigen
1 von 23Foto: RTL/Gregorowius
13.01.2011 14:30Elf ziehen ein ins vierte RTL-Dschungelcamp, einer sticht besonders heraus:

Friedrich Hegel, ein früher Experte menschlicher Phänomene, sagt: „Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“

Wer mehr Bücher mehr liest als er Kakerlaken-TV schaut, ist kein besserer Mensch. Er verbringt nur seine Zeit anders.

Der Fortschritt ist doch keine Schnecke. RTL 2 kündigt die elfte Staffel von „Big Brother“ an. Die herausragenden Quoten vom „Dschungelcamp“ machen Appetit. Wer jetzt eine Idee für ein weiteres Knastologen-Format hat, der kann sich ein Schloss bauen.

Kakerlaken, Wasserspinnen, Mehlwürmer treiben Frauen normalerweise in die Flucht. Aber die RTL-Show sehen deutlich mehr Frauen als Männer. Neugier schlägt Ekel.   

Anonym zu sein ist heute mindestens so schlimm wie arm zu sein. Das „Dschungelcamp“ löst beide Probleme in immerhin elf Fällen.

Folge 6 am Mittwoch hielt das Niveau der Folgen 1 bis 5.

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