Dschungelcamp XI : Die Welt ist zwei Kugeln
24.01.2012 08:03 UhrDie lauten und leisen Unwahrheiten der anderen Teilnehmer

Die meisten der übrigen Kandidaten machen sich auch nackig, entblößen sich, in dem sie unaufgefordert die schlimmsten Traumata ihres Lebens nacherzählen. Sie verbrämen es bloß als „interessante Gespräche“, die sich angeblich einfach so ergeben. Man muss sich das mal vorstellen: Erwachsene Menschen, allesamt erfahren im Showgeschäft, nehmen an einem Fernsehprojekt mit Dauerüberwachung teil, und nach nicht mal zwei Wochen beichten sie sämtliche Alkoholdramen, Missbrauchsgeschichten und Familienzwiste, die ihnen einfallen.
Es sind laute und leise Unwahrheiten, mit denen sich die Camper durch ihre Dschungelzeit schummeln. Rocco betrog bei einer Prüfung (dafür holte er gestern dann acht Sterne), außerdem sei er nicht echt, spiele bloß eine Rolle, das behauptete jedenfalls Jazzy. Kurz bevor sie in der gestrigen Folge von den Zuschauern aus der Sendung gewählt wurde. Sie selbst durfte im Camp ungestraft behaupten, das letzte Album ihrer Band „Tic Tac Toe“ sei ein richtig gutes Werk gewesen, die Karriere nur deshalb den Bach runtergegangen, weil eine nicht näher genannte Person zu viel Geld verlangte. Richtig ist: Die CD sollte Jazzy so peinlich sein, dass sie auf Jahrzehnte kein Wort drüber verliert. Kleine Kostprobe ihrer Reimkunst:
„Hallo, ich bin Kerstin, 16 Jahre alt,
Auf jeder Party vollgeknallt mit hartem Alk…
Ich bin zu fett und mich lassen solche Dinge nicht kalt,
Drum steck ich mir halt immer den Finger in’n Hals.“
Das ist kein Witz. Das hat Jazzy wirklich gerappt.
Oder Martin Kesici. Der durfte sich im Camp als Opfer von Staatsgewalt inszenieren: Einmal habe ihn die Polizei durchsucht, weil sie ihn fälschlicherweise für einen Drogendealer hielt – bloß weil er Kontakt zu „so einem Motorradclub“ gehabt habe. Was Kesici nicht sagte: dass es sich bei diesem Club ausgerechnet um die Hells Angels handelte, eine Bruderschaft, die das Land Berlin am liebsten sofort verbieten würde, weil ihr Ermittler immer wieder Körperverletzung, Schutzgelderpressung, Zuhälterei, Drogen- und Waffenhandel vorwerfen.

Inzwischen gab Kesici selbst zu, im Camp gelogen zu haben: Sein freiwilliger Ausstieg sei nicht wie ursprünglich behauptet seinem „starken Freiheitsdrang“ geschuldet gewesen. Die neue Version lautet: Er hat seine Freundin so arg vermisst. Den Vorwurf, er sei ausgerechnet in dem Moment gegangen, als er den Großteil seiner vertraglich vereinbarten Gage sicher hatte, findet er abwegig.
Die grobe Unwahrheit musste auch Ramona Leiß’ Sohn sagen, als er sie nach ihrer Rauswahl am Strand beruhigte: Nein Mama, so zickig kamst Du gar nicht rüber im Fernsehen!
Micaela Schäfer hat sich nichts derartiges zu Schulden kommen lassen. Alleine dafür verdient sie die Krone. Man kann diese Frau mögen oder nicht, hübsch finden oder hässlich. Aber dass sie sich irgendwie falsch verhält in dieser quatschigen Show, das kann man nicht behaupten.







