Dschungelcamp XV : Sie werden es überleben

Erstmals in der TV-Geschichte kann ein Mann mit Stoffaffe Dschungelkönig werden. Zeit, vorher noch schnell über die großen Verlierer dieser Staffel nachzudenken: Es gibt leider keine.

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Dschungelkönigfavorit und Stoffaffenbesitzer: Peer Kusmagk
Dschungelkönigfavorit und Stoffaffenbesitzer: Peer KusmagkFoto: RTL

Thomas, Katy und Peer also. Im Finale. Zwei Mitläufer und der gefühlige Mann mit Stoffaffe. Falls Peer gewinnt, werden die Theoretiker Erklärungen suchen. Einen Zeitgeist herbeifabulieren. Die neue Weichheit. Epoche der Empfindsamkeit. Aber ehrlich: Ist Peer Kusmagk nicht einfach bloß deshalb in die Rolle des Favoriten aufgerückt, weil dieses Mal besonders viele Unausstehliche im Camp vertreten waren? Kandidaten mit so grotesk offensichtlichen Charakterschwächen, dass man als Zuschauer nur nach dem Ausschlussverfahren wählen konnte?

Wer Dschungelkönig wird, entscheidet sich heute Abend gegen 22 Uhr. Schon vorher kann man aber über die großen Verlierer dieser fünften Staffel nachdenken. Das ist ganz einfach: Es gibt leider keine.

Blamiert haben sich viele. Bis auf die Knochen. Eva als Ast-Diebin und Lügnerin, Mathieu als gehässiger Geiferer, Jay als Chef-Faker und mobbender Bandenführer, der Freitagabend endlich von den Zuschauern abgestraft wurde. Sarah K. hat sich natürlich am besten blamiert, sie konnte das ständig, unaufhaltsam, maßlos.

Man glaubt, diese Menschen hätten sich sozial unmöglich gemacht. Und man mag sich wünschen, dass ihre Schmach ewig anhält, dass ihre Karrieren jetzt endgültig ruiniert sind und dass sich die Betroffenen nie wieder unmaskiert auf die Straße trauen. Aber so kommt es nicht. Man wird es ihnen nachsehen.

Es ist ja nicht so, dass wir verzeihen wollen. Wir vergessen einfach. Tatsache ist: Wir haben Günther Kaufmann damals in Unterhosen gesehen. Ingrid van Bergen wurde, bevor sie ihre Staffel gewann, mehrere Folgen lang als zerstreute alte Schachtel vorgeführt. Susan Stahnke musste sich vorwerfen lassen, ein „fuckin’ face“ zu besitzen. Und was haben wir Peter Bond gehasst. Selbst DJ Tomekk machte das Dschungelcamp nur kurzzeitig zum Aussätzigen, und der hatte immerhin den Hitler-Gruß gezeigt.

Sie alle schienen durch RTL fürs Leben gebrandmarkt, und sie alle sind davongekommen. Genau so wird es den Blamierten der aktuellen Staffel ergehen. Selbst Sarah, der schlimmsten von allen und denen, die noch kommen werden. Die konkreten Bilder im Kopf werden bald verblassen, was dann bleibt, ist eine vage Ahnung, dass sich Sarah im Camp irgendwie ein bisschen unvorteilhaft verhalten hat.

Natürlich bleiben sämtliche Peinlichkeiten auf Ewigkeit im Netz. Man könnte sie nachgoogeln. Aber wer tut sowas? Keiner hat ein Interesse daran, weil es laufend Nachschub gibt. Bald beginnt die nächste Staffel "Topmodel" oder "Supertalent", "Big Brother", "Bauer sucht Frau", "Popstars" oder "Promidinner", da werden gewiss wieder krasse Peinlichkeiten dabei sein.

Und dann ist schon wieder Dschungelcamp. Die Fernsehlandschaft ist viel zu krawallgeladen, turbulent, prollig, viel zu sehr RTL2, als dass man sich an vergangenen Bloßstellungen festkrallen müsste. Die Medienmaschine mag böse sein. Sie ist aber auch gnädig.

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