Dschungelqueen Desirée Nick : "Rückenschule, Rückenschule, Rückenschule"

Wie übersteht ein Kandidat das RTL-„Dschungelcamp“? Désirée Nick, bisher einzige Dschungel-Queen, gibt entscheidende Tipps.

Nick
Desirée Nick, auf der Höhe ihrer Kunst im Friedrichstadtpalast. -Foto: Davids

Frau Nick, was am „Dschungelcamp“ ist wirklich eklig? Das Klima, die Moderatoren, die anderen Teilnehmer?

Ich habe vor und nach dem „Dschungelcamp“ viel Ekligeres erlebt, und zwar im richtigen Leben. Für mich war das „Dschungelcamp“ die reinste Wellness oase.

Trotz Känguruhoden und anderer Köstlichkeiten?

Gegen den Fraß, den Sie in vielen Supermärkten finden, sind Känguruhoden die reinste Delikatesse. Etwas Reineres kann man gar nicht zu sich nehmen. Streifen Sie doch mal durch die Billigregale! Was da liegt, das ist richtig gefährlich.

Wie schmecken denn Känguruhoden?

Sie liegen geschmacklich zwischen Austern und Kaviar. Man muss es mögen.

Sie sind immer noch die einzige Dschungelqueen.

Und das nach vier Jahren! Sie haben die Frage ja noch nicht gestellt, aber ich nehme mal die Antwort voraus: Ich hoffe wirklich, dass mir dieses Mal eine der teilnehmenden Damen die Krone entreißt. Mich langweilt es nämlich langsam, die Dschungelqueen zu sein.

Ingrid van Bergen ist dabei, Gundis Zambo, Christina Lugner oder auch Giulia Siegel. Wer von den Damen hat denn das größte Potenzial?

Einige der Damen sind bestens vorbereitet. Frau Zambo hat ein Buch geschrieben über Bulimie, die hat ihr ganzes Leben lang das Kotzen trainiert und auf Nahrung verzichtet. Seit einem Artikel in der „Bunten“ ist aktenkundig, dass sie magersüchtig ist – mit allem, was dazugehört. Da ist sie im „Dschungelcamp“ ja im Paradies. Mausi Lugners Programm lautet zurzeit ja eher „Wie überlebe ich nach der Scheidung“ und nicht „Wie überlebe ich im Dschungel“. Und Giulia Siegel wird es nach dem Camp vielleicht geschafft haben, jedenfalls für den adoptierten Adel wieder einigermaßen attraktiv zu sein. Das wäre ja auch schon mal was. Die Chancen für die Beteiligten stehen subjektiv betrachtet nicht schlecht, objektiv gesehen sind sie verheerend.

Und Günther Kaufmann und Ingrid van Bergen?

Kaufmann und van Bergen sind erfahrene Knastologen, beide kennen sich bestens damit aus, Insassen zu sein. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die beiden könnten es unter sich ausmachen.

Warum geht man ins „Dschungelcamp“? Des Geldes wegen oder aus Idealismus?

Ich war jedenfalls nicht des Geldes wegen dabei. Als alleinerziehende, ledige, freiberufliche Künstlerin und Besserverdienende bin ich leider in einer Branche tätig, in der Schwarzarbeit nicht möglich ist. Mit anderen Worten: Ich zahle Steuern. Das war auch schon vor dem „Dschungelcamp“ so. Ich bin das Modell, dem der Staat das letzte Hemd nimmt. Sie merken schon, wie ich auf Einnahmen zu sprechen bin.

Das „Dschungelcamp“ hat Sie immerhin vom B-Promi zum A-Promi aufsteigen lassen.

Ich bin dagegen, Menschen in Kategorien einzuteilen. Das hat etwas Reaktionäres. Was die Promis angeht: Es gibt inzwischen sogar O-Promis. Von den meisten, die sich diesmal ins „Dschungelcamp“ drängen, kennt man ja noch nicht einmal die Namen. Hätte dieser Nico nicht diesen wunderbaren Nachnahmen, den Dirk Bach sicher gerne in den Mund nehmen wird, dann wäre der doch garantiert nicht dabei.

Sie meinen Nico Schwanz. Wäre der Mann nicht Ihr Traumpartner gewesen?

Ich hätte mich gern auf seinen Nachnamen draufgesetzt, ja. Wenn ein Komödiant sich auf diesen Namen nicht draufsetzen würde, dann wäre das eine Unterlassungssünde. Ich hätte auch Mausi Lugner mit der Handtasche vermöbelt.

Warum das?

Weil sie nichts Besseres verdient hat, ganz einfach.

Frau Nick, Sie sind und bleiben die Beste. Schicksal.

Nach dem „Dschungelcamp“ habe ich vier Bestseller geschrieben, ich habe im Renaissance-Theater reüssiert, der Bundespräsident hat sich bei der Gelegenheit als Fan von mir geoutet, ich bin nach Bad Hersfeld zum Festspielsommer eingeladen, ich spiele drei Wochen im „Theater an der Josephstadt“ in Wien, ich hatte gerade eine große Gala im Friedrichstadtpalast. Was will ich Ihnen damit sagen: Das alles habe ich nicht allein dem Camp zu verdanken. Ich hatte auch davor eine Karriere und einen Beruf. Ich konnte schon vorher was. Heute habe ich nur ein größeres Publikum. Mein Leben war harte Arbeit, sehr harte. Mir treibt es manchmal selbst die Tränen in die Augen. Ich fühle mich als Artistin, die den Clown machen muss und ihre Haut zu Markte trägt. Deshalb sage ich: Die Tage im „Dschungelcamp“ waren die leichteste Zeit meines ganzen Lebens. Etwas Entspannteres als diese vierzehn Tage habe ich nie erlebt. Ist das nicht traurig, frage ich Sie, ist das nicht traurig? Giulia Siegel oder Mausi Lugner haben definitiv mehr Spaß in ihrem Leben gehabt als Frau Nick.

Giulia Siegel hat bei RTL mit Tränen in den Augen berichtet, sie könne ihre Miete nicht mehr aufbringen.

Die Königin von England soll es ja auch nicht leicht haben, hört man.

Kein Wort des Mitleids?

Mein Mitleid gehört schlecht alimentierten Müttern, misshandelten und schlecht versorgten Kindern, den vielen verelendeten Menschen in Berlin, Kindern, die vor dem Fernseher geparkt werden, damit sie den Mund halten, Paaren, bei denen beide arbeiten gehen und die trotzdem nicht über die Runden kommen. Da habe ich Mitleid. Ich spende auch regelmäßig, und das nicht zu knapp. Das kann ruhig auch mal erwähnt werden.

Sie sind Theologin. Glauben Sie an Gott?

Ich habe in meinem Leben oft einen Schutzengel gehabt, und ich glaube sehr an Gott. Ich glaube allerdings nicht an die Institution Kirche. Denn die wird bekanntlich von Menschen gemacht, und Menschen sind, wie wir alle wissen, mit Sünde behaftet. Woraus also besteht die Institution Kirche? Aus sündhaften Menschen.

Mit der christlichen Heilslehre haben Sie nichts am Hut?

Ich bin für die Kirche von unten. Wie in Holland. In Berlin setze ich mich zum Beispiel für die Initiative „Pro Reli“ ein. Da bin ich so eine Art Frontfrau, die dürfen auch mit mir werben.

Wer müsste dringend mal ins „Dschungelcamp“? Der Papst, Bischof Huber?

Die nicht. Aber wie wär’s mit Sabine Christiansen?

Seit Freitag ist Dschungelzeit: Haben Sie einen Überlebenstipp für die Insassen?

Haltung bewahren! Haltung ist alles. Ich sage nur: Rückenschule, Rückenschule, Rückenschule. Und: Bauch rein, Brust raus, Kinn hoch. Das kommt immer gut. Und bewahrt einen vor Fotos, auf denen man aussieht wie Jeanette Biedermann.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, RTL, 22 Uhr 15

Désirée Saskia Nick wurde laut eigener Homepage 1956 in Berlin -Charlottenburg geboren. Sie absolvierte eine klassische Ballettausbildung, tanzte an Deutscher Oper und Bayerischer Staatsoper, später auch im Pariser „Lido“. Nach einem Fernstudium der katholischen Theologie auf Lehramt unterrichtete sie einige Jahre. Rückkehr zur Bühne, Schauspielausbildung in London. Ende der 80er begann Désirée Nick ihre Karriere als schockierende Kabarettistin: Soloprogramme, die Biografie „Bestseller einer Diva“, weitere Polemiken in Buchform („Eva go home“. 2004 wurde sie in der RTL-Castingshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ prompt „Dschungelkönigin“. Désirée Nick ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes.

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